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Was tun bei Foto-Unlust oder einem Kreativitätsloch?

Gestern haben die Fotoburschen einen Podcast veröffentlicht, in dem sie sich unter anderem über Motivations- und Kreativitätslöcher unterhalten haben. Aufgrund der Kürze des Podcasts und der Einstellung, das Thema als eher nichtig abzutun („ich glaube auch nicht, dass ich da [in so eine Situation] reinkomme“ – „Lies doch mal nen Buch oder so“), fehlen mir im Podcast tiefergehende Informationen und Ansätze.

Dankenswerterweise nutzen sie meine Erlebnisse nicht nur als Anlass, das Thema Motivationsloch „anzusprechen“, sondern nennen mich auch als Quelle für weitere Informationen. Darum ergreife ich hiermit das Wort und führe so in das Thema ein, wie ich es mir gewünscht hätte: mit Struktur und konkreten Lösungsansätzen. (Es geht hier um Hobbyfotografen – dass Berufsfotografen bei Kreativitätslöchern ein ganz andres Problem haben, ist klar.)

Motivations- und Kreativitätslöcher

Zunächst sei festgehalten, dass Motivations- und Kreativitätslosigkeit nicht dasselbe ist.
Motivationsloch: Du kannst, willst aber nicht. Du hast einfach keinen Bock.
Kreativitätsloch: Du willst, kannst aber nicht. Dir fällt schlicht nix Sinnvolles ein, das du fotografieren könntest.

Diese Phasen können sich langsam entwickeln, ähnlich wie ein Burn-out-Syndrom. Oder mit einem Mal da sein.

Na und? Wo ist das Problem?

Es kommt drauf an, was für ein Mensch man ist – und wie lange die Situation andauert. Dem einen mag es egal sein, er lässt das Hobby halt liegen und macht was andres. Für andere ist das nicht so einfach. Während ein Kreativitätsloch in Verbindung mit der Lust aufs Fotografieren ziemlich schnell nervt, kann ein Motivationsloch zunächst sehr wohltuend sein. Man hat keine „Hummeln im Hintern“ und die Muße, sich auf etwas anderes zu konzentrieren. Doch irgendwann fehlt einem etwas. Nach 1,5 Monaten im Motivationsloch ging es mir etwa so:

[…] Ich vermisse meine Fotografie. Wenn ich sonst abends heimkomme, dann wartet sie schon auf mich. Lenkt mich ab vom Alltag und ist einfach ein großer Teil von mir selbst. Ohne sie ist es, als würde etwas fehlen. Als sei ein Freund weggezogen.

Wer das selbst noch nicht erlebt hat, kann das vielleicht nicht nachvollziehen. Nehmt es einfach hin, dass es in jeder Beziehung mal kritische Phasen gibt – auch in der Beziehung zur Fotografie. Und wenn ihr dort keine Erfahrungen habt, dann urteilt bitte auch nicht darüber.

Verlassen wir nun die Höhle des Wehklagens und werden wir konstruktiv. Wie kann man mit so einem Loch – sei es ein Kreativitäts- oder ein Motivationsloch – umgehen?

Schritt 1: Ruhe bewahren.

Die Fotografie geht nicht verloren, wenn man sich mal eine Weile nicht darum kümmert. Es ist nicht für immer. Und: Es ist ganz normal, durch so eine Phase zu gehen.

Schritt 2: Die Ursache finden.

Meines Erachtens ist es jetzt wichtig, sich Zeit zu nehmen und nach der Ursache der „Krise“ zu suchen. Denn das ist der erste Schritt, die Situation aktiv zu beeinflussen, anstatt passiv auf Besserung zu warten.

  • Vielleicht habt ihr euch selbst zu arg gestresst? Fotoprojekte, Shootings, Bloggen: All das, was einem normalerweise Motivation bringt, kann irgendwann zu viel werden.
  • Möglicher Auslöser kann auch ein Foto-Overflow sein. Mein Motivationsloch hat sich nach einem 6-Tage-Trip nach New York entwickelt. Erst Power-Fotografieren, dann Power-Nachbearbeiten (alle wollen ja die Fotos sehn), und dann: Leere.
  • Es könnte euch auch die Perspektive in der Fotografie fehlen. Glaubt ihr, zu stagnieren, vom Können und den Motiven her auf der Stelle zu treten? Es passiert einfach nix Interessantes mehr. Alles schon gesehen, alles schon fotografiert.
  • Oder ihr habt das Gefühl, dass ihr einfach keine guten Bilder mehr macht? Bei der ganzen Flut an guten Fotos im Internet ist es schwer, sich mit „nur guten“ Fotos zufriedenzugeben. Immer ist das Gefühl, dass andere es besser hinbekommen.

Schritt 3: Etwas dagegen tun

Es gibt mehrere Ansätze, die euch helfen können. Das hängt wiederum von euch selbst ab, wie es euch in eurem Loch geht und was für ein Loch das ist. Ich habe sie jetzt nicht nach Motivationsloch- und Kreativitätsloch-Ansätzen sortiert, da einige gegen beides helfen können und eine Differenzierung hier schwierig wäre.

Hier also ein paar Ideen, was ihr da unten in eurem Loch machen könnt:

  • Genießen. Ihr habt jetzt mal richtig Zeit für alles andere: kochen, lesen, Freunde treffen, zocken…
  • Ausmisten. Ordnung ins Leben bringen für ein besseres Gesamtgefühl.
  • Kopieren. Lernen, indem man andere Bilder analysiert und nachstellt.
  • Kreativübungen. Sich selbst einschränken und so „unter kontrollierten Bedingungen“ vorsichtig wieder an die Kreativität herantasten.
  • Probiert was Neues. Mein Kreativitätsloch vor 1,5 Jahren habe ich überwunden, indem ich mir ein Makroobjektiv gekauft und so einen ganz neuen Bereich der Fotografie entdeckt habe. Genauso wirksam (und günstiger) könnte es sein, wenn ihr eure Familie porträtiert oder mal auf eine analoge Kamera umsteigt.
  • Neu kombinieren. Nehmt doch einmal eure Fotos und versucht, sie neu zu kombinieren. Wie wäre eine Collage mit Bildern von Füßen?
  • Back to Basic. Habt ihr eigentlich fundiertes Wissen über die Farblehre? Über Gestaltung? Über eure Kamera? Sonst fangt doch dort an. Werdet bewusst wieder Schüler, Lernender, Anfänger. Denn die müssen nicht perfekt sein. Sie müssen einfach nur sein.
  • Rückblick. Ihr habt schon immer gern Rosen fotografiert? Betrachtet doch einmal alle Rosenbilder und stellt fest, wie sehr ihr euch fotografisch schon entwickelt hast.

Linktipps und Quellen

Es gibt einige hervorragende Links zu diesem Thema:

  • „Muse auf Urlaub“ – diese Podcastfolge von Moni behandelt die Frage, wie man seine Kreativität zurückerhält.
  • „Signale und so“ – Moni spricht über Lustlosigkeit und was man dagegen tun kann.
  • „Gib niemals auf – ich meine niemals“ – Es geht nicht direkt um meine „Löcher“, aber dieser Artikel macht einfach Mut.
  • Fotoübungen von Thorsten Winkler
  • Ihr seht keine Motive mehr in eurer Umgebung? Hier ein paar Ideen, wie aus dem Alltäglichen das Besondere wird.
  • Einfach losziehen und „nur“ Lampen fotografieren? Alexander hat es gemacht, und ich find die Serie einfach geil.
  • Diskussion zum Thema „Blockade“ im DSRL-Forum – sehr ausführlich, ich habe sie zugegebenermaßen nicht komplett gelesen. Aber sie kann helfen, die eigenen Ansprüche etwas geradezurücken. Und man sieht, dass man nicht allein ist.

Kennt ihr noch gute Links oder habt ihr Ideen, wie man aus so einem Loch herauskommt? Wart ihr gar selbst in einem? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Dieser Beitrag hat 9 Kommentare
  1. Ich hab mir den Podcast der beiden nun mal angehört und bin etwas verwundert, mit welchem Unverständnis dieses Thema angegangen wird. Die Quintessenz war letzendlich: „Hatte ich noch nie. Komische Leute, die sowas haben.“

    Bei jedem, der einer kreativen Tätigkeit nachgeht, kommt irgendwann der Punkt, an dem man einfach keine Inspiration findet. Das hier nun behauptet wird, sowas würde doch eigentlich nur die Berufsphotographen betreffen finde ich zu kurz gegriffen. Klar, kaum jemand wird täglich photographieren und da ist es auch nicht schlimm, wenn die Kamera mal ein paar Tage ruht. Aber wenn sich das auf Wochen ausweitet und man merkt, dass einem da was im Leben fehlt, kann das durchaus belastend sein.

    In Bezug auf Hobbyphotographen finde ich Aussagen wie „Wenn sie sagen, sie wollen jetzt unbedingt ihrem Hobby Photographie nachgehen und dann fällt ihnen nichts ein, dann würde ich aber auch ganz ehrlich mal sagen, dass das irgendwie nicht passt.“ ja fast schon arrogant, nach dem Motto „Wenn dir nichts einfällt, dann ist es nicht das richtige Hobby für dich.“.

    Auch Ratschläge, wie „Dann lass die Kamera doch liegen. Lies doch mal ein Buch oder so.“ sind zwar grundsätzlich hilfreich, macht aber vermutlich jeder automatisch. Nur greift dieser Tipp am eigentlichen Thema vorbei, da es ja nicht um die üblichen Tagespausen ging, sondern um, ich nenne es mal, „kreative Krisen“.

    Mir ist natürlich klar, dass man im Rahmen von so einem Podcast nicht endlos diskutieren kann, aber trotzdem hätte ich mir an der Stelle etwas mehr Tiefgang gewünscht. Denn mancher hat ja z.B. auch einen Blog und damit eine Community, die regelmäßig gefüttert werden will.

  2. Hallo Birgit,

    ein wirklich schöner Artikel ist das geworden und vor allem die Links am Ende finde ich sehr schön.

    Ich muss sagen, dass die Fotografie bei mir noch nicht zu lange ein Hobby ist und ganz oft fehlt mir die Zeit oder das Wetter macht einen Strich durch meine Rechnung, aber ich bin noch stark im lernprozess und hatte deshalb noch keine Krise, dennoch kann ich dich irgendwie verstehen. Wenn man keine Lust hat zu fotografieren oder keine Idee und sich deshalb Frust aufbaut, dann liest man vielleicht mal ein Buch, aber irgendwie fühlt es sich so an als hätte man gar kein Hobby mehr.. und das fühlt sich dann sehr leer an.

    Was ich dann teilweise tue ist einfach die Kamera schnappen und raus aus der Wohnung … Bei mir ist das dann meist der Weg in den Park um die Ecke und dort laufe ich dann einfach mal durch die Gegend und Fotografiere einfach alles mal.. mal Blumen, mal Tiere etc… hat man dann ein Motiv gefunden welches einem gefällt, bleibt man länger dran hängen.

    Eine andere Sache, die ich letztens in der Stadt mal hatte, dass ich die Kamera an einer Handschlaufe hatte und einfach ohne durch den Sucher zu schaun durch die Gegend fotografiert habe, da können sich auch ganz interessante Motive ergeben.

  3. Birgit: Deinen Artikel finde ich informativ und konstruktiv. Prima! Gerade wenn man mal in der Luft hängt, kann man überzeugenden Zuspruch gut gebrauchen.

  4. hi birgit,

    ich finde deinen artikel gut und man merkt, dass du drüber nachgedacht hast und nicht mit pubertären ansätzen an die sache herangehst. wenn die burschen irgendwann mal erwachsen werden sollten (?), dann werden sie feststellen, dass derartige krisen zu jedem wachstumsprozess dazugehören. ich habe noch nie von künstlern oder meistern ihres faches gehört, dass sie ohne solche schaffenskrisen durchs leben gekommen sind. ich glaube krisenlos geht es nur, wenn man keinen anspruch an sich selbst hat und volle befriedigung im rezitieren von herstellerpressemitteilungen findet. so gesehen sind krisen ein gutes zeichen ;) natürlich muss man diese aber auch überwinden und aus diesem prozess kann man viel lernen.

    mal noch ein gedanke zu motivationslosigkeit. ich habe festgestellt, dass bei mir die motivation flöten geht, wenn ich keine ziele habe, die mich begeistern. oft taucht soetwas auf, wenn man einen meilenstein oder ziel erreicht hat (wie deine new york reise). dann ist erstmal ruhe … das ist dann die zeit, wo man neue ziele finden und festschreiben muss. geht mir grade auch so :)

    was auch helfen kann – trotz fehlender ideen oder motivation – einfach trotzdem fotografieren! über scheinbar „sinnlose“ fotos (z. b. die dokumentation des aktuellen zustands (sauberkeit/ordnung) der eigenen wohnung) kommt man – ob mit spaß oder ohne – in den arbeitsflow und eventuell packt es einen dann und man findet interesse an staubflusen oder irgendwas sonst und dann kommt man auf neue ideen. da macht man sich aber am besten frei von einem anspruch an die bilder und fotografiert nur für sich selbst (und zeigt die fotos vielleicht besser auch nicht ;) ).

    für meinem blog mach ich das auch regelmäßig – also ich versuche meinen anspruch an mich nicht zur last werden zu lassen und zeige dann auch fotos, die ganz sicher nicht zu meinen besten gehören. denn nicht jedes foto das wir machen wird besser als das vorhergehende … und auch das ist ein natürlicher teil wachstumsprozess. kein mensch erbringt dauerhaft immer höchstleistungen – und das ist ok so.

    viele liebe grüße
    torsten :)

  5. Schöner Artikel, da fühle ich mich doch direkt verstanden. :-) (Im Gegensatz zum Fotopurschen-Podcast… das kommentiere ich hier lieber nicht.)
    Gerade die Motivations-„Krisen“ habe ich häufiger, bei mir hängt es direkt mit meiner Belastung im Job zusammen. Da hilft mir meist wirklich: nicht verkrampfen, locker machen. Wie Du geschrieben hast, das kommt schon wieder nach einer Weile, aber Lust lässt sich nicht erzwingen.
    Dummerweise tauchen bei mir Kreativitäts-Löcher immer dann auf, wenn die Motivation am größten ist. Da ist die Beschränkung wirklich ein guter Tipp, der mir oft weiterhilft (z.B. vor einer Fototour sagen „heute fotografiere ich nur mit Brennweite x“). Für beide Tiefs gibt es zwar kein Patentrezept, aber ich finde es trotzdem klasse, dass Du das hier thematisierst.
    Übrigens: Bislang hatte ich bei Dir oft das Gefühl, dass Du wirklich mit eiserner Disziplin fotografierst und bloggst. Dass auch Dein „innerer Schweinehund“ mal gewinnt und auch Du nicht 24/7 kreativ bist, finde ich irgendwie beruhigend und sogar ein wenig motivierend… ;-)

  6. Ich fand die Aussagen auch sehr platt und dem Thema nicht angemessen, habe da eben auch noch mal einen ausführlichen Kommentar hinterlassen. Vom Format her gibt das Podcast natürlich keine unendliche Diskussion her, aber mit etwas vernünftiger Recherche kann man die wesentlichen Punkte des Themas auch in 3-4 Minuten zumindest soweit anreissen, dass ein ausgewogenes Bild entsteht.

    Und wenn sich da jemand hinstellt und behauptet, er glaube ihm würde das nicht passieren – ich will jetzt nicht beleidigend werden und schreibe deshalb mal „grenzwertig“, aber da hat einfach jemand nicht richtig drüber nachgedacht.

    Ich hatte so eine Phase auch schon und bin sicher, es wird nicht die letzte gewesen sein. Und da ist es dann wirklich wichtig zu wissen, wie man sich, gerade auch als Beruffotograf, entweder da wieder raus manövriert oder zumindest soweit klar kommt, dass der Kunde zufrieden ist.

    Danke Birgit, dass Du Dich so mit dem Thema beschäftigt hast.

  7. dein artikel kommt grad wie bestellt, birgit. ich befinde mich momentan in so einem loch. mir fehlt die motivation, das zu fotografieren, von dem ich weiß, daß ich’s kann, und die kreativität, ein anderes thema zu finden, das mich interessiert…
    deine abschnitt „etwas dagegen tun“ ist für mich grad sehr relevant und interessant.
    die links werde ich mir mal anschauen, wenn ich mehr zeit hab.
    übrigens hab ich auch schon festgestellt, daß es einigen leuten momentan genauso geht. was natürlich nicht hilft, aber trotzdem tröstlich ist, zu wissen ;)

  8. […] Kreativität funktioniert auch außerhalb der Fotografie. Der Rat auch andere Beschäftigungen und Künste zu nutzen um die eigene Fotografie voran zu bringen ist überlegenswert, schließlich sucht sich Kreativität manchmal auch andere Ventile (Finding Creativity in Unexpected Places – Freelance Freedom, dazu auch Birgit E.). […]

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