Fast 7,2 Millionen aller Deutschen sind schwerbehindert – die Hälfte von ihnen ist unter 65 Jahren. Obwohl diese Zahl immens hoch ist, kämpfen Menschen mit Behinderung immer noch mit Vorurteilen und Einschränkungen durch ihre Umwelt.

Darum wünschte sich die Diakonie Bayreuth ein Inklusionsmagazin. Dieses sollte durch gute Inhalte und ansprechende Gestaltung bestechen und während des Lesens Vorurteile abbauen.

Meine Aufgabe beinhaltete ursprünglich nur die Gestaltung dieses Magazins. Doch schnell zeichnete es sich ab, dass ich auch meine Erfahrungen in der Fotografie und beim Schreiben von Zeitungsartikeln einbringen konnte. Darum stammt ein Großteil der Texte und Bilder von mir.

Das Magazin wird im Februar mit einer Auflage von 2.000 in Bayreuth verteilt, allerdings in einer etwas dünneren Version mit 40 statt 64 Seiten.

Betreut von Professor Claudia Siegel
Hier gibt’s die Diakonie-Version online, für alle, die die Texte lesen wollen.

Es war mir wichtig, die Arbeit am Magazin strukturiert anzugehen. Deshalb erstellte ich einen Zeitplan, der grafische, inhaltliche und konzeptionelle Arbeiten gewichtete und mir so stets zeigte, ob ich „gut in der Zeit“ liege. Ich ermittelte, welche Menschen ein begründetes Interesse am Projekt haben, und schätzte ihr Konfliktpotenzial ein sowie ihren Einfluss auf das Projekt. So konnte ich die Kommunikation mit ihnen angemessen und bestmöglich durchführen. Um die zunächst sehr weitgefasste Zielgruppe „alle Bayreuther“ zu konkretisieren, definierte ich anschließend fünf Personas, die viele Entscheidungen zu Konzept und Design vereinfachten, weil ich diese Fragen aus ihrer Sicht betrachten konnte.

Um sicherzustellen, dass das Magazin gegenüber der Konkurrenz erfolgreich sein wird, führte ich eine Konkurrenzanalyse durch und legte fest, ob und wie sich mein Magazin von konkurrierenden Magazinen abgrenzen solle. Durch eine Risikoanalyse konnte ich potenzielle Stolpersteine im Vorfeld erkennen, ihre Eintrittswahrscheinlichkeit durch geeignete Maßnahmen reduzieren sowie festlegen, wie im Falle des Eintritts zu reagieren ist. Um mich rechtlich abzusichern, formulierte ich zudem eine Art Arbeitsvertrag und ein Freigabeformular, die ich von der Diakonie unterschreiben ließ.

Zunächst stellte ich mir die Frage, wie ich ein Magazin über Menschen mit Behinderung publizieren könne, das ihnen gerecht wird. Um diese Frage zu beantworten, führte ich eine umfangreiche Recherche zur Darstellung von Menschen mit Behinderung in den Medien durch. Hierzu las ich Berichte und Blogs, sah Videos und sprach persönlich mit Menschen mit Behinderung, mit Therapeuten und mit dem Herausgeber eines etablierten Magazins für und von Menschen mit Behinderung. Auch nahm ich mehrmals am Bayreuther Behindertenstammtisch teil und bekam so einen tieferen Einblick in ihre Lebenswelt und Selbstwahrnehmung.

Parallel dazu legten das Redaktionsteam und ich die Themen des Magazins fest. Hierbei gingen wir von den Vorschlägen und Vorstellungen der Diakonie aus, welche möglichst viel dessen, was innerhalb des letzten halben Jahres passiert war, berichten wollte. Mit Hilfe der Personas reduzierten wir die Themen auf diejenigen, die für die Zielgruppen interessant sein würden. Um den nachhaltigen Erfolg des Magazins sicherzustellen, erarbeitete ich zudem Konzepte zur Finanzierung durch Anzeigen, zu den Druckkosten, den Verteilerwegen und der Zukunftsfähigkeit des Magazins.

Sehr intensiv diskutierten das Redaktionsteam und ich über den Magazinnamen, da dieser einen erheblichen Anteil an der Außenwirkung des Magazins hat. Bei unserer Entscheidungsfindung stützten wir uns auf eine vorher durchgeführte Online-Befragung und prüften potenzielle Namen darauf, ob sie bereits geschützt oder in der Region in Verwendung waren.

Als die Themen des Magazins feststanden und erste Artikel geschrieben waren, begann ich mit der Gestaltung, da ich nun ein konkretes Gefühl für die gewünschte Ausrichtung und Aussage des Magazins hatte. Ich definierte die Schriften für den Fließtext und erstellte auf dieser Basis das Seitenraster. Anschließend untersuchte ich mögliche Schriften für die Überschriften und Einleitungstexte, entschied mich für eine und nahm auch hier die Definition von Schriftgröße und Buchstabenabstand vor. Auch die Positionierung der Bilder innerhalb der Artikel definierte ich und legte einen Styleguide an.

Viel Zeit floss in die Gestaltung des Covers und den Schriftzug „zam“. Die für die Artikel genutzten Bilder waren nur sehr bedingt für das Cover geeignet. Einige von ihnen implizierten einen falschen Themenschwerpunkt (z.B. Bilder von Sport, Senioren, Urlaub), andere waren zu nichtssagend oder schlicht nicht schön genug. Daher veranlasste ich ein Fotoshooting mit fünf Personen, die in verschiedenen Artikeln des Magazins vorkommen, und verwendete dieses Bild für die Covergestaltung. Im letzten Schritt setzte ich die Inhalte des Magazins in das definierte Raster, legte die Position der Anzeigen fest und schrieb die Druckdatei.

Pflichtbestandteil meiner Bachelorarbeit war es, meine Arbeit zu präsentieren. 4 Monate Arbeit in 20 Minuten zu bekommen, das war  nicht einfach. Tatsächlich habe ich 1,5 Tage an diesem Vortrag gesessen, mit Mindmap, Stoppuhr und geduldigen Test-Zuhörern. Auf den Vortrag folgte eine ebensolange Fragerunde, in der meine Professorin, ein Fotodozent und Mitstudenten noch einiges wissen wollten. Diese lief ganz gut, weil ich alles begründen konnte, was ich gemacht und gedacht hatte.

Zudem gibt es in meiner Hochschule den Designblick, eine Veranstaltung, auf der die Bachelor- und Semesterarbeiten präsentiert werden. Dafür durfte ich mir ein Ausstellungskonzept überlegen. Um die klare Gestaltung des Magazins aufzugreifen, wählte ich einen weißen Tisch, auf dem ich den Schriftzug meines Magazins aufbrachte. Und weil es im Magazin um Menschen geht, Vielfalt und Einzigartigkeit, rahmte ich die schönsten Bilder in völlig verschiedene Rahmen und hing alles an die Wand. Hinzu kam ein selbstgestickter Schriftzug sowie ein kurzer Einführungstext.

Neben dem Tisch stand ein Rollstuhl, der dazu einladen sollte, einmal die Perspektive eines Menschen mit Behinderung einzunehmen. Außer mir haben zwar nur zwei Menschen darin gesessen, aber ich würde in einer Ausstellung auch nicht ungefragt durch die Gegend rollen.