
<Rückblende>
Bis vor zwei Jahren war mein Leben deutlich anders. Ich war von anderen Menschen umgeben, hatte eine andere Vorstellung von meinem Leben und meiner Zukunft. Die Menschen um mich herum waren vor allem Juristen und BWLer. Sie legten viel Wert auf politische und wirtschaftliche Diskussionen (und Fußball…).
Ich selbst bin apolitisch. Versteht mich richtig, ich finde Politik wichtig und gehe auch aus Überzeugung wählen. Aber im Alltag ignoriere ich diese Thematik meist und bin auch nicht auf dem Laufenden. Denn was nützt es, darüber zu diskutieren? Ohne die Chance, etwas ändern zu können, fehlt mir die Motivation, mich damit auseinanderzusetzen. Ebenso geht es bei aktuellen Wirtschaftsthemen, weltpolitischen Diskussionen oder Börsenentwicklungen.
Die logische Folge: Ich konnte nie mitreden.
Ich hingegen bin der kreative Mensch. Das fanden auch alle toll. Aber da unsere ganze Atmosphäre sehr politisch-diskussionswütig geprägt war, hatte ich immer das Gefühl: Kreativität ist ein nettes Hobby, aber nicht wirklich wichtig. Ein Ausgleich. Doch kein Ersatz für mein “mangelndes Wissen”.
Das wurde nie direkt gesagt, und bewusst habe ich es nicht einmal gemerkt. Aber es war subtil vorhanden. Und innerhalb von zwei Jahren fängt man an, das zu glauben. Wenn alle um dich herum anders sind als du, dann bist du derjenige, der anders ist. So viele Menschen können nicht irren – folglich übernimmst du diese Einstellung. Unbewusst. Nach und nach. Und verankerst sie tief in dir, weil Anpassung ein Überlebensinstinkt ist.
<Zurück zur Gegenwart>
Wie sehr mich diese Zeit geprägt hat, merke ich gerade sehr deutlich an meinen Zweifeln bezüglich meiner ersten Ausstellung. Doch jetzt ist mein Umfeld ein ganz anderes. Mein Freundeskreis jetzt ist bunt gewürfelt, und viele von ihnen fotografieren selbst. Als ich andeutete, dass es leider keine Vernissage geben würde, meinten sie sofort: “Hey, das ist deine erste Ausstellung – glaubst du, du wirst uns daran hindern können, mit einem Sekt vorbeizukommen?”
Und in diesem Freundeskreis, der mich annimmt, wie ich bin, und erkennt, was für mich wichtig ist… in diesem Freundeskreis lerne ich wieder, was ich nie hätte verlernen dürfen: Es ist nicht eine Nebensächlichkeit, kreativ zu sein. Sondern etwas Wunderbares, das mich zu dem Menschen macht, der ich bin. Ich fühle mich freier. Näher an mir selbst. Und das möchte ich nie mehr verlieren.
