Gastbeitrag: Eigener Schrott oder fremde Träume? Eine Erkenntnis
- am 17. February 2011
- von bee
- in Produkttests & Linktipps
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Claus aus meiner Fotogruppe hat zum zweiten Mal einen Gastbeitrag für mich geschrieben. Und weil ich sowohl seinen Fotostil als auch seine Schreibe richtig klasse finde, lehne ich mich jetzt zurück und wünsche euch einfach viel Vergnügen beim Lesen dieses Beitrags!
Hat man einen hässlichen Geburtsfehler wie z.B. “begrenztes Budget”, so ist es einfach unmöglich, die Anschaffung einer Monsteroptik durchzuführen. Damit landet in der Fototasche meist das Gerät, das man sich halt leisten kann/will. Seit meiner D700 weiss ich aber, wie viel geiler (AF, ISO, Sucher, Robustheit. Prestige?) die größeren Geräte als die bezahlbaren sind.
Als Lichtstärkeanhänger daher schon ewig um das 1.4/24mm von Nikon rumgeschlichen. 2000 EUR, was ein Irrsinn! Habenmüssen. Nichtbezahlenkönnen. Mieten!
Also Weihnachtswünsche kanalisiert und 1.4/24, 4.0/300AF-S und SB900 für zehn Tage gemietet, davon 6 Werktage zu zahlen, zusammen knapp 500EUR, Hälfte als “Verzehrgutschein” zurück.
Für Silvester am Meer bestellt. Ausgepackt, angeschraubt, abhängig.
1.4/24mm im echten Leben
24mm sind genau meine Sichtweite: Ist eine Situation “charming”, ist sie genau so direkt im Sucher. Keine 20 Schritte zurück, kein Dirigieren, kein Ausgliedern. Schau&knips. Schöne Brennweite.

Und die Lichtstärke, ein Traum. Bis Kerzenlicht oder Dämmerung sitzt der AF sofort. Rumreißen, fokussieren, auslösen, auch bei schnellem Geschehen. So muss Werkzeug werkeln. 1.4er Lichtstärke, AF-S, wasweissichwasdahilft: Profikrempel löst Probleme, statt welche zu machen.
Verzerrung und Bukeh geschmeidig, nah an das Motiv ohne Birnenköpfe erlaubt sorgenfreies Arbeiten. So müssen Optiken sein! Fuck Mittelmaß (zumindest was die Arbeitsgeräte angeht :-)!
4.0/300mm im echten Leben
Ein 4.0/300 hab ich seit Jahren im Schrank. Ein Nikon AF-D, gebraucht gekauft. Ein 100-300 von Tokina noch dazu. Für Laienfußball bei Sonne OK, aber kein Einsatzanreiz whatsoever: AF langsam, Ergebnisse von begrenzter Schärfe, unsexy. Bah! Im realen Leben kaum im Einsatz, die Füße stimmen ab und sagen nein.
Also ein AF-S 4.0/300 mitgeliehen. Kein 2.8, kein VR, nicht billig und nie zu kaufen, doch ich wollte mal wissen, ob es bei 300mm nicht auch Schärfe gibt. Die echten Sportoptiken sind noch geliehen unbezahlbar.
Und was soll ich sagen: Der Hammer! AF maßlos schneller als mein olles nominell gleiches Glas. Schärfe super und durchgehend besser als alles, was ich selbst besitze. Mir schien sogar die Balance besser, so dass ich mit 1/125 s noch gute Schärfe aus der Hand schaffte. Und ich bin wirklich ein Wackler vor dem Herrn.
Nahgrenze, so dass im großen Raum gerade noch Portraits gehen, dann aber mit so unerbittlicher Schärfe, dass kein Normalmensch damit abgelichtet werden wollen würden tun täte.

SB900 im echten Leben
Selbst einen SB600 besitzend ärgerte ich mich schon ewig daran, dass ich im Dunkeln nur entweder entfesselt blitzen oder AF-support bekommen konnte (abgesehen von der unzumutbaren weißen Lampe an der Kamera). Auch ist die Bedienung des SB600 ein Gräuel. Daher mal den SB900 dazugeliehen, um zu schauen, was daran denn besser wäre.
Ergebnis: Die AF-Unterstützung ist etwa 119-mal besser als im AF-Supportlämpchen und 42-mal besser als im SB600: Schärfere Strukturen, weiter reichend. Leider auch nur bei AF-S und nur auf Mittel-Fokuspunkt.
Also als Fokusassistent bei Available Light (ganz ohne Blitzlicht) und/oder zum Ansteuern des entfesselten SB600 nahezu perfekt. Die Bedienung ist ein Traum: Blitzschnell per dedizierten Schaltern Blitzfunktionen umgestellt, Master/Slave/Manuell… gut.
Aber für meinen Gebrauch doch ein paar dreckige Nachteile, die ich nicht lieben lernte: Erstens ist das Ding zu schwer und klopig. Die Hand schmerzt nach einer halben Stunde damit drauf selbst bei massiger D700. Zweitens isses viel zu stark. Selbst mit 1/128tel Leistung ist es nicht möglich, eine available-light Aufnahme bei offener Blende in nahem Abstand zu unterstützen. Man muss “ewig” weit weg und schrecklich abblenden, so meine enttäuschende Erkenntnis. Ich hoffe, ich lieg’ da falsch, vielleicht kann ja jemand Hilfe kommentieren, aber 1.4 bei 45cm Abstand und 800ASA geht nicht zu blitzen. Und das ist bei Dämmerung nicht unüblich und reizvoll. Tips welcome!
Fazit
Profitechnik rules! Es ist so viel beflügelnder, mit diesem Optikkaliber zu arbeiten als mit bezahlbarem, dass es schmerzt. Ich konnte an diesen Optiken keinerlei Schwachstelle erkennen, selbst das Entfernen von Strandsand aus dem Stativring geht geschmeidig! Mir kam sogar der krankhafte Gedanke, dass der AF mit diesen Profioptiken von selbst die Wimpern statt die Strähnen trifft und die bildwichtigen Stellen anvisiert. Unheimlich!
Allerdings ist man damit in der Zwickmühle. Einerseits erlahmt investitionssparend das Interesse an den normalen Optiken. Andererseit hat man ein Feuer entzündet, das kaum familientauglich zu befüttern ist.
Daher eine ganz arg schlimme Warnung an alle da draußen im Netz: Bleibt weg von diesen Diamanten! Rettet Euch zum Gelumpe! Schraubt Euch Aschenbecher an die Kamera! Bleibt unbeleckt von der großen Liebe! Sie bricht Euch den Geldbeutel, schändet Euere Erwartungen und versnobt Euch. Man wird mit den Fingern auf Euch zeigen und Vorwürfe machen. Man wird Euch belächeln und beneiden.
Aber wenn ihr durch den Sucher schaut, wird Euch das nicht mehr stören.























Sam
Den SB-900 könntest Du mit ND-Folie noch weiter abdunkeln (das ist sozusagen ein Graufilter als Folie, gibts zB von Lee). Die schluckt dann einfach etwas Licht und ist praktisch, wenn der Blitz immer noch zu hell ist.
Ich selber setze nie einen SB-900 auf der Kamera ein, sondern nur entfesselt, da stell ich dann einfach den Blitz weiter weg vom Motiv, das tuts auch.
Und den Rest kann ich nachvollziehen, meine Wunschliste enthält im Moment einzig noch das 24/1.4, und irgendwann wird das vermutlich auch kommen. Mal sehen…
Marco
Prima Artike hat Spaß gemacht. Allerdings fürchte ich genau das was Du ansprichst. Einmal richtig an der Nadel, gehangen willste wohl kein Methadon mehr
Silke
OOOOH, was für wahnsinns Bilder! Bin hier total am Sabbern!!!!
Der Artikel war echt gemein
!
Vielleicht ein 24mm 2,8? Das rückt doch ehr in den bezahlbaren Bereich.. allerdings weiß ich was Lichtstärke 2,8 zu 1,4 ausmacht.. eigentlich unbezahlbar…
Och menno…
Ronny (BlogTimes)
Das sieht man deutlich, was man mit entsprechendem Equipement alles anstellen kann…. Hab jetzt auch irgendwie Lust auf das 24er 1,4 bekommen….
Michelle
Wirklich tolle Bilder!
Von 1,4 werde ich wohl den Rest meines Lebens träumen müssen =)
sushisu
500€ Leihgebühr ist ja schon ein Viertel Objektiv.
Echt schöne, stimmungsvolle Bilder. Die Lichtsituationen finde ich total schön.
Viele Grüße Silke
Claus
@sushisu: Hast Recht, aber nach “Verzehrgutschein” sind’s noch ca. 250EUR, also etwas akzeptabler. Aber stimmt schon, so 1% vom Neupreis pro Tag ist schon auch ‘ne Menge.
Hätte ich vorher keine Zweifel an den Optiken gehabt hätte ich’s mir wohl auch eher gekauft und später wieder mit “Miet-Abschlag” verkauft. So ab ein paar Wochen ist das schon günstiger, vermute ich mal. Aber DIE Investition ist mir dann doch zu arg.
Peter
Hallo auch, solche Berichte gehören verboten und aus allen Foren und Blogs verbannt. Solche Berichte brechen in uns Wünsche und Träume auf, die unberechenbar sind. Man ist schon geneigt den Kindern das Taschengeld zu streichen nur das mal ein Anfang gemacht ist und das erste Geld für einen Body oder ein Objektiv angelegt wird. Meine Frau hat absolut kein Verständnis warum ab sofort ich ihr die Haare mache statt ihr Friseur…
Olli
Toller Gastartikel, Claus!
Ich weiß von was du sprichst. Kürzlich hatte ich die Gelegenheit mit so einer Sport-Linse zu fotografieren – Nikkor 600mm 4.0… ein wahnsinn, ein Traum,… danach konnte ich zwei Wochen lang meine eigenen Gläser nicht mehr sehen.
kubaseotraeume
Hallo,
ich besuche gerade deinen Blog mit meinem Ipad und Android. Irgendwie sieht das alles verschoben aus.
Überprüfe das dochmal, ansonsten interessanter Inhalt. Und man kann wenigstens deinen RSS abonnieren.
LG
seoBunny.de
aki
Ist das nicht sehr demotivierend zu hören, dass alles weniger leistungsstarke Werkzeug Schrott sei? Ich bin kein Fotoexperte, sondern nur Fotogenießer, und ich habe mir sagen lassen, dass es in erter Linie nicht auf die Ausrüstung ankommt, sondern auf das Knowhow.
Claus
@aki: ja, das ist es. Noch demotivierender ist es aber, wenn man das mit eigenen Augen gesehen hat
Im Ernst: Einem guten Bild ist es egal mit was es gemacht wurde und ich kenne Talente, deren Bilder durch jeden Flaschenboden genial sind.
Meine eigenen Möglichkeiten und Vorlieben hat diese Superoptik aber derart bereichert, dass ich damit einfach irgendwo rausschreiben musste. Für manche Anwendungen mag es sein dass die nix sind. Kann mir nur keine Vorstellen
Aber für mich ergaben die guten Optiken einfach mehr Begeisterung und Möglichkeiten, die bei mir persönlich auch in besseren Bildern gemündet sind.
Sam
Es kommt halt auch immer darauf an, was man mit den Bildern vor hat.
Es gibt ganz viele Fotos, da ist bei mir die verwendete Technik relativ egal, weil sie eh nie groß ausbelichtet werden, die Situationen unkritisch sind.
Aber wenn es in kritische Situationen geht, möchte ich den AF und die ISO-Fähigkeit der D700 nicht mehr missen, die D90, die ich hin und wieder Ersatzweise benutze, fühlt sich dagegen träge an, trifft den AF nicht, rauscht so stark, dass es selbst bei kleinen Abzügen schon auffällt.
Einmal das bessere Werkzeug kennengelernt, ist es schwer, wieder auf was anderes zurück zu gehen.
Bei den Objektiven hängt es davon ab: für meine normalen Sachen reichen meine “einfachen” Linsen wie ein 35/2, 50/1.4, 105/2.8 völlig aus. Selbst mit billigen 24-85 Zoom komme ich weit.
Und dort, wo ich groß drucken will, reicht mir die Kameraauflösung eh nicht, da mache ich Panoramen mit 500mpx und mehr, meist mit dem AF-S50/1.4G.
Dafür hab ich bei den Blitzen zugeschlagen, drei SB-900 habe ich, obwohl ich sie meist nur als Dumme Funk-Slaves nutze, weil ich Zuverlässigkeit, Leistung und einheitliche Bedienung schätze. Ein halbes Dutzend YongNuo hätten es sicher auch getan.
eyespeak
Hallo,
netter Artikel, das macht Lust auf mehr
Und: Du hast völlig recht. Seit ich ebenfalls halbwegs vernünftige Optiken habe, bleibt einfach mehr Zeit für das wesentliche… das Foto an sich. Es gibt weniger Ausschuss, und weniger Frustration. Ich bin sowieso immer wieder erstaunt welche Linsen so manche Hobbyfotografen daheim so rum stehen haben…
Offenblende-Fotos mit verrücktem Bokeh sind eben genau das, was vielleicht dann doch einfach ein besseres Foto ausmacht. Nicht selten ist das zumindest genau so. Kein wunder das z.b auch Hobbyfilmer total auf DSLR´s so abfahren. Der Kinolook schon dabei, dank Riesensensoren.
Hochzeitsfotograf
Ich kann deine Wünsche grösstenteils verstehen. Aber anstatt des 300er würde ich dir das 70-200 2.8 (die neue Version) und einen 1.7er Telekonverter empfehlen. Du bekommst VR, die Kombination ist zoombar und tragbar. Man verliert zwar etwas Licht, kann aber immer noch ohne Konverter 2.8 einsetzen
Peter
Muss nochmal nachhaken. Die Überschrift finde ich eigentlich nicht so doll für den Beitrag, denn im Grunde fotografieren wir ja nicht mit Schrott sondern doch schon mit ordentlichem Gerät und oft liegt es nur an uns selbst das vorhandene Material nicht optimal einzusetzen.
Gruß Peter
*der an seiner Nikon D80 immer wieder was entdeckt, um noch besser zu werden
Paleica
kann ich mir sehr gut vorstellen, deswegen lebe ich brav nach: finger weg. denn was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß! sonst juckt es überall und ich MUSS es haben und habe das gefühl, andernfalls meines lebens nicht mehr froh zu werden ^.^
annemarie
Optik und gute Ideen
so werden die Bilder interessant
Susanne
das licht ist einfach nur klasse eingesetzt. tolle bilder, weiter so!
Marco
Tolle Bilder mit tollem Lichteinfluss!
Lifestyle News
Tolle Fotos muss ich schon sagen.
OnkelSeosErbe
Hallo,
sehr schöner Beitrag und auch sehr schöne Fotos. Ich glaube, als Nichtprofi weiß man gar nicht, was man alles verpasst, wenn man nicht die richtige Kamera hat. Leider ist das so, denn auch wir haben schon sehr schlechte Bilder mit nicht ganz so teuren Kameras gemacht…
Dann lieber einmal investieren und schon passt´s. Vielen Dank für den tollen Beitrag.
Viele Grüße