Colorkey – der Wow-Effekt für durchschnittliche Bilder.

Ich muss an dieser Stelle einmal deutlich meine Meinung dazu sagen: Die überwiegende Mehrheit der Colorkey-Fotos ist nix.

DSC 0201 Kopie2 150x150 Colorkey   der Wow Effekt für durchschnittliche Bilder.Bevor ich das jetzt begründe, möchte ich für die weniger Fachchinesisch-bewanderten Leser kurz erklären, was Colorkey ist: Ein ursprünglich buntes Bild, das in schwarzweiß umgewandelt wurde. Nur ein(ige) Bildelement(e) bleibt/en farbig und sticht/stechen so heraus.

In der Praxis gibt es vor allem zwei Typen von Colorkey-Fotos, die fließend ineinander übergehen. Und beide sollte man vermeiden.

Colorkey-Typ 1: Der Hingucker

Oft habe ich das Gefühl, dass ein Colorkey die Rettung für ein durchschnittliches Foto sein soll. Weil diese Technik einen Hingucker schafft. Damit mag man Nichtfotografen ein “wow” entlocken, aber abgesehen davon: schlechter Bildaufbau, fehlende Bildaussage – die Basicfehler bekommt man damit nicht behoben! Das Foto wird dadurch nicht besser. Es fällt mehr auf, das ja. Aber besser wird es nicht.

Colorkey-Typ 2: Der Fotoprojekt-Mogler

Auf den Blogs und in den Flickrgruppen, in denen ich mich herumtreibe, laufen derzeit zwei Fotoprojekte, bei denen es sich um Farben dreht. Eine Farbe wird vorgegeben und zu dieser gilt es, ein Foto zu machen. Doch was tun, wenn auf dem “Rot-Bild” auch noch etwas Blaues ist? Der pfiffige Fotograf denkt sich: Mach ich doch ein Colorkey. Entsprechend sprießen diese Fotos derzeit überall aus dem Boden.

Leute, ihr macht es euch damit ganz schön einfach.

Mal abgesehen davon, dass ein durchschnittliches Colorkey fotografie-technisch selten etwas Besonderes ist (s. Typ 1), blockiert ihr euch doch selbst! Anstatt nach dem interessanten Motiv/Blickwinkel zu suchen, das aus sich selbst wirkt, wird ein mittelmäßiges Foto aufpoliert. Anstatt einen einfarbigen Gegenstand zu nehmen und ihn richtig zu positionieren, die Beleuchtung zu testen, eben doch den blauen Punkt aus dem Bild zu entfernen – kurz: bewusst zu fotografieren -, wird die Einfarbigkeit erst am PC hergestellt. Wären die Ergebnisse in meinen Augen gut, würde ich ja gar nichts sagen. Aber leider sind sie das eher selten.

Colorkey: Dont’s

Und um dem mal etwas entgegenzuwirken, habe ich mal ein paar Do’s und Dont’s für Colorkeys aufgeschrieben. Basierend auf meiner eigenen fotografischen Erfahrung und sicher weder vollständig noch unumstößlich.

  1. Ein Mensch bunt, einer schwarzweiß – also sorry, aber das geht ja gar nicht. Das sieht ja aus, als sei der eine schon halbtot… Gilt übrigens auch, wenn der Mensch das einzige schwarzweiße ist.
  2. Tod der Landschaft – saftige Wiesen, ein Bachlauf… und all das wird eingegraut, um eine weit entfernte rote Bahn zu betonen? Da geht für mich die ganze Atmosphäre kaputt.
  3. Schnappschuss aufwerten. Wie bereits gesagt, ein durchschnittliches Bild wird nicht besser. Es ist höchstens eine gute Photoshop-Übung, bei einem Schnappschuss die bunte Jacke freizustellen.
  4. Zu offensichtlich unecht. Ein Strauch voll Beeren, und zwei im Vordergrund leuchten rot, während der Rest s/w ist? Das wirkt nur künstlich. Nicht künstlerisch.
  5. Ich ätze meinen Betrachtern die Netzhaut weg! Quietschiges Pink oder Neongrün eignet sich vor allem in großen Mengen nur bedingt für Colorkey.

Vertraut insgesamt einfach auf euren Geschmack. Blendet den Wow-Effekt aus und schaut, ob das Bild auch nach 5 Sekunden noch gefällt.

Colorkey: Do’s

Ja, es gibt auch Colorkeys, die ich gut finde. Ich hab überlegt, woran das liegt. Und einfach ein paar herausgesucht, die mir gefallen. Hier meine Do’s:

  • Die Hauptaussage betonen.
  • Colorkey-Effekt verstecken – bei diesem Bild sieht man erst gar nicht, dass es ein Colorkey ist. Es wirkt in sich einfach stimmig und harmonisch.
  • Wie wäre es, den Colorkey-Effekt fotografisch umzusetzen? Was ich meine? Das.
  • Es darf auch auffällig sein. In diesem Beispiel ist das Gelb ein schöner Kontrast zum Schwarzweiß. Gelb und schwarz ist eh der stärkstmögliche Kontrast, und es unterstreicht hier die Typografie-Aussage.

Fazit

Colorkey ist kein Allheilmittel. Mittelmäßige Fotos bleiben mittelmäßig. Schnappschüsse Schnappschüsse. Aber Colorkey ist auch eine interessante Möglichkeit, einen Aspekt eines Fotos zu betonen. Das funktioniert aber nur, wenn man den Effekt bewusst einsetzt.

Und ja, das ist meine persönliche Meinung. Weder absolut noch indiskutabel. Also möge die Diskussion beginnen!

19 Kommentare


  • Da reiche ich doch mal nen Vorschlag ein: http://www.yetanotherphotoblog.de/index.php?showimage=220

    :)

    22. June 2010
  • Deine Aussage zu dem Fotoprojekt unterstreiche ich. Nicht nur, das dort die Foto sehr oft sehr schlecht sind (ich könnte einfach auch sagen, sie sind geknipst, weil die Tasse rot ist) so habe ich das mit Colorkey jetzt auch schon des öfteren gesehen. An sich mag ich Colorkeys und bearbeite auch selber gerne welche, weil es von der Bearbeitung her auch ein richtiger Aufwand sein kann. Und hier sehe ich oft die schlechtesten Umsetzungen, denn man muss da schon sehr, sehr genau arbeiten. Vielleicht bin ich da auch zu perfektionistisch, doch das ein Colorkeybild immer bei mir Begeisterungsstürme auslöst, ist schon lange her. Schade eigentlich, denn man kann mit dieser Technik sehr viel machen.

    22. June 2010
  • @Renes: Das gefällt mir! Da ist der Effekt ähnlich wie bei einer Vignette, er führt den Blick. :up:
    @Jana: Vllt sollte ich darüber auch mal schreiben. “Viel Knipsen macht dich auch nicht besser” oder so. Den darf dann jeder leidgeplagte Betrachter bei Foto-Tätern in den Kommentaren verlinken ;)

    22. June 2010
  • Manu

    Erst mal n dickes Lob – das ist wieder ein fundierter und gut gelungener Beitrag – Glückwunsch, das war eine Freude zu lesen !!!
    Und deine Meinung teile ich – aber nur zum Teil – ich finde schon, dass ein gut gemachtes Colorkey ein Bild aufwertet oder sogar zum Kunstwerk machen kann – deine Beispiele zeigen das ja auch eindrucksvoll – dazu muß man sich aber wirklich Gedanken machen und schon beim Fotografien wissen, was man damit aussagen will.
    Bleibt aber mal wieder Geschmackssache :)

    22. June 2010
  • Claus

    Buarähuha * schüttel * Grausgrusel. :erschrocken: Wusst garnicht dass es zu diesen Dingern eine Bezeichnung gibt. :wirr: XP :P :hhm: :cry: :down: :angry: :(( :?: :aerger:

    Wäre da oben nicht das yetanotherphotoblog-Beispiel das ich recht ansprechend finde würde ich sagen dass Du die Do’s gerne weglassen kannst.

    Das Colorkey das mir gefällt muss wohl noch verlinkt werden.

    Colorkey in der Arena? Daumen runter! :down:

    Vergleichbar noch mit diesen weinenden Harlekin-Puppen und -Bildern, die man im Rheinland so schätzt. Gru-se-lig! XP

    22. June 2010
  • Der einzig gute Colorkey ist bei “Schindler´s Liste”!!
    Guter Beitrag. :up:

    22. June 2010
  • Voice from Hell

    Ich wollte es ja nicht sagen, aber manche Leute müssten einsehen, dass man Sch*isse nicht polieren kann.

    22. June 2010
  • Dem gibt es nichts mehr hinzuzufügen. Ich wußte nur bislang nicht, daß es Colourkey-Fotos gibt, die man sich auch angucken kann. :)

    23. June 2010
  • Toller Beitrag, vor allem dass Du die Vor- und Nachteile aufgeführt hast.

    Vor ca. 4 Jahre hatte ich totales “Colorkey-Fieber” und so hatte ich aus fast jedem Bild ein Colorkey gemacht (und mir sogar überlegt ein Fotoprojekt mit Colorkeys zu starten).

    Das Colorkey-Fieber ist aber eigentlich wieder recht schnell gesunken und mittlerweile kann ich sie (leider) überhaupt nicht mehr sehen.

    23. June 2010
  • [...] Fussballjungs im Fussballfieber.  Ein Schnappschuss mit dem Handy, extra für Birgit [...]

    23. June 2010
  • Es gibt wirklich schöne und ansprechende Colorkey-Bilder, so wie die genannten Beispiele. Die find ich schick, obwohl ich diesen “Effekt” eigentlich gar nicht mag.

    Am schlimmsten finde ich ja (Und sorry, meine persönliche Empfindung!) Bilder auf denen irgendwo eine Rose drauf ist, die “gecologkeyt” wurde. Ich kann es nicht mehr sehen :down: Oder Bilder einer Hochschwangeren, die irgendwas auf ihrem runden Bauch sitzen / stehen /liegen hat – Alles ist s/w nur das Gedöns am Bauch ist bunt.
    Geht gar nicht.

    23. June 2010
  • Ich mag solche Beiträge! Auch wenn sie kritisieren (und ich mich grundsätzlich auch erstmal angesprochen fühle) – so denke ich beim nächsten Foto, bei der nächsten Bearbeitung wahrscheinlich nochmal drüber nach.
    Mein Bild für “Blau” beim “Farbe bekennen 2010″-Projekt ist nämlich auch ein Colorkey (zumindest das erste, das zweite nicht http://purplepens.wordpress.com/2010/05/29/farbe-bekennen-blau/). Wie gesagt, wenn ich die weiteren Farben fotografiere, werd ich mir sicher mehr Gedanken machen.
    Danke!!

    23. June 2010
  • aki

    Das Grillfeuer ist aber sehr passend.

    23. June 2010
  • [...] ich hoffe, ich ziehe mir mit diesem Foto nicht Birgits Colorkey-Zorn [...]

    23. June 2010
  • oh Mist, da bin ich bestimmt auch volle Kanne ins Näpfchen getreten mit meinen Colorkey Bearbeitungen :-( Ich weiß das meine nicht Perfekt sind, aber für die ich sie gemacht habe, denen haben sie fast immer gefallen. Bin ja kein Profi und mache alles für Spaß bezüglich der Bilder.

    PS: hast du mich direkt mit Mogler gemeint als du Colorkey-Typ 2: Der Fotoprojekt-Mogler beschrieben hast ;-)

    24. June 2010
  • Colorkey…

    Ich stöbere zurzeit auf vielen unterschiedlichen Fotoblogs herum und bin dadurch von Janasworld weiter auf Birgit Engelhardts Blog gestoßen. Sie thematisiert in einem Blogeintrag das Thema Colorkey und wie, ihrer Meinung nach, damit versucht wird den…

    26. June 2010
  • ich weiß, ich übertreibe es manchmal mit den colorkeys. aber ich mag sie doch so.

    28. June 2010
  • Ich bin noch in so einem Zwischenstadium.. einerseits bin ich begeistert von gelungenen Colorkeys.. die von Dir gezeigten zum Beispiel. Andererseits finde ich sie schlimm, wenn sie nicht 100%ig gelungen sind.. in letzter Zeit bin ich wieder in so einer Bäh-Phase, in der ich scheinbar nur schlechte CKs sehe und mich dafür schäme, selbst auch schon das ein oder andere CK gemacht zu haben – die allesamt schrecklich sind ;)

    Dein Artikel gefällt mir übrigens ganz hervorragend!!

    30. June 2010
  • hihi … schöner artikel … ich hatte es etwas krasser gemacht, aber so ist auch gut :)

    (hab ich jetzt ja erst gesehen)

    25. May 2011

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