Zwischen den Jahren bin ich zur Ruhe gekommen, und mit mir ist es auch mein Hobby. Wir lagen gemeinsam gemütlich auf dem Sofa und haben uns entspannt. Dabei habe ich eine wichtige Lektion gelernt. Die möchte ich hier nun niederschreiben – für euch als Anregung und für mich, damit ich sie nicht wieder vergesse.
Wie ich mich täglich selbst stress(t)e, ohne es zu merken.
In der Zeit las ich den Artikel “Pausen des Geistes: Die Wiederentdeckung der Muße” aus der ZEIT. Ein Zitat:
Das dritte Hindernis auf dem Weg zur Muße wäre also der permanente Erwartungsdruck, mit dem wir uns selbst den Weg zum Genuss der freien Zeit verstellen.
Darüber habe ich nachgedacht. Und festgestellt, dass ich mich und mein liebstes Hobby vielen Erwartungen aussetze:
- Ich habe einen Blog, den ich liebe. Aber er muss gefüllt werden, auch, wenn ich grad keine Lust habe. Das erwarten die Leser.
- Ich habe viele Blogs im Feedreader, die zu lesen viel Zeit kostet. Aber das ist neuer Input, und das macht mich besser. Denke ich.
- Ich habe mehrere Projekte, v.a. das Community-Kochbuch. Ich koche gerade mit Leidenschaft, aber ich muss auch nen Zwischenstand fertig machen, die Rezepte von den jeweiligen Einreichern absegnen lassen und alles online stellen. Darauf warten die Mitmacher.
- Ich muss üben, um besser zu werden.
- Ich habe so viele unbearbeitete Fotos auf dem Rechner, so viel ungenutztes Potenzial…
- Und von dem einen Programm ist die Testphase von 30 Tagen fast abgelaufen, ohne dass ich es mir bisher angesehen habe.
Ihr seht: Viele “ich müsste”, “man erwartet” … sehr viele Ketten, die ich mir selbst auferlegt habe, ohne zu wissen, ob es sie überhaupt gibt. Versteht mich nicht falsch: An den meisten Tagen macht mir das alles sehr sehr viel Spaß. Aber manchmal ist es auch eine Last, eine Verpflichtung, eine Verplanung der Freizeit, egal ob ich will oder nicht.
Auf einmal musste ich entspannen. Und genoss es!
In den Tagen bei meinen Eltern war das ganz anders. Ich war leicht krank, und meine Mutter hat gut aufgepasst, dass ich mich mal richtig auskuriere
Ich habe den ganzen Tag geschlafen, gekocht, gegessen, fotografiert und vorm Kamin sitzend Bilder nachbearbeitet. Und ich habe es genossen wie schon lange nichts mehr.
Zu Hause schlugen die Uhren langsamer, es lag Schnee, und die ganze Stimmung war sehr ruhig. Das Internet mochte meinen Laptop nicht, und mein Blog ruhte eh. Kurz: Ich war mit mir und meiner Fotografie alleine.
In diesen Tagen habe ich fotografiert, wann und was ich wollte. Der Schattenwurf des Teeglases ist schön? Pappe in den Hintergrund und 20 min um dieses Teeglas gehüpft. Draußen lag Schnee, aber ich hatte keine Lust? Bin ich halt drin geblieben, da ist es eh wärmer. Und jetzt konnte ich die verpasste Gelegenheit guten Gefühls ignorieren, denn es ging um meine Erholung.
Und ich sag euch: Es war wunderbar! Mein Hobby (!), die Fotografie, hatte eine Leichtigkeit wie schon lange nicht mehr. Es zählte kein Ergebnis, es gab keine Erwartungen. Es gab nur die Kamera, meine Motivation und mich. Ich habe es aus vollem Herzen genossen. Und habe in der Zeit eine ganze Menge guter Fotos geschossen!
Dazu passend noch ein Zitat aus dem ZEIT-Artikel:
»Muße ist die Übereinstimmung zwischen mir und dem, worauf es in meinem Leben ankommt.«
Mein Vorsatz für 2010
Darum möchte ich fortan mehr Muße in die Fotografie bringen. Und habe es bisher auch geschafft. Letzte Woche war ich Schneefotos machen. Mütze auf, Hörbuch auf die Ohren und raus. Dabei habe ich es einfach genossen, durch die frische Luft zu gehen, den Stadtpark zu genießen und mich zurieseln zu lassen. Alles war friedlich, ich fieberte mit Eragon mit und machte Fotos. Wichtig war nicht, dass die Fotos toll werden. Sondern wichtig war genau das: Dass ich an der frischen Luft war und entspannt Zeit nur mit mir verbrachte. Anschließend ging es heim, und nach warmen Nudeln hab ich mich in mein Bett gekuschelt und eine Runde geschlafen. Mitten am Tag. Es war herrlich!
Darum möchte ich fortan mehr Muße in meine Fotografie bringen. Fotografieren ohne Erfolgsdruck, sondern des Fotografierens wegen. Mal faul sein dürfen, nix tun, auch den besten Sonnenschein zugunsten eines Buches ignorieren und Bilder dann nachbearbeiten, wenn ich Lust dazu habe. Denn diese Einstellung entschleunigt alles, und reduziert mich auf das, worum es eigentlich geht: die Fotografie als Hobby zu genießen.
PS: In diesem Zusammenhang möchte ich euch auch den Blogbeitrag “Nicht ganz so glatt: Warum wir lernen müssen, mit nicht perfekten Fotos zu arbeiten” auf kwerfeldein.de ans Herz legen.
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19 Kommentare
Halli hallo,
na da hast du dir doch einen guten Vorsatz für 2010 vorgenommen! Mir gehts da ähnlich. Wenn du Lust hast, kannst du dir ja mal das hier anschauen:
http://www.foto-howto.de/aktuelles/1-neues/382-fotowettbewerb-meine-ziele-2010.html
Passt vielleicht ganz gut für dich ;-)
Liebe Grüße
von Daniel Zellfelder - 01.17.10 9:26 | Permalink
Was du sagst, gilt wohl für alle Bereiche. Aber das hinzukriegen ist eine Kunst. Mach doch mal in einem Monat einen Zwischenbericht. Ich bin ja gespannt, was du dann zu sagen hast!! Am besten hast du mal nicht so viele Ideen, die unbedingt realisiert werden wollen und dir keine Ruhe lassen.
von aki - 01.17.10 10:37 | Permalink
Daniel: Das ist ja nun witzig: Gerade nimmt Bee sich vor, alles ruhiger angehen zu lassen, und dann lockst du sie mit einer neuen Aktion!
von aki - 01.17.10 10:43 | Permalink
Ich hatte in den letzten Wochen fast ein schlechtes Gewissen, dass ich selbst so wenig gebloggt habe – bis zu Deinem Post hier. :-)
Mir selbst fehlt für die Fotografie derzeit genau diese Muße. Allerdings war/ist einer meiner guten Vorsätze für 2010 “mehr Selbstdisziplin”. Ist das jetzt ein Widerspruch? Ich hoffe nicht…
von Daniel - 01.17.10 12:05 | Permalink
Oh, da könnten wir jetzt philosofisch werden… sollte man sich zwingen und so den Spaß durch Erfolg generieren – oder hat man erst Erfolg, wenn man auch Spaß/Muße hat? Ich glaube, beides ist wahr, man muss nur herausfinden, was für einen persönlich der richtige Weg ist.
Das schwankt sicher auch im Laufe der Zeit, es gibt ruhige und (hyper)aktive Phasen. Man muss sich nur seiner Bedürfnisse bewusst sein, dann gibt es keinen falschen Weg. Denke ich.
Auf jeden Fall schön, wenn ich dein schlechtes Gewissen beruhigt hab. Denn Blog hin oder her, es geht immer noch um uns selbst.
von bee - 01.17.10 12:08 | Permalink
Hm, das fordert ja jetzt gerade eine Begriffsdefinition heraus: Was heißt hier Erfolg? Fotografie ist für uns beide ja ein Hobby – muss ich da Erfolg haben oder steht der Spaß im Vordergrund?
Ich persönlich weiß, dass ich mich zum Glück nicht zwingen kann, aber dass ich einen recht ausgeprägten inneren Schweinehund hab, den ich hin und wieder an die Kette legen muss.
Hauptsache, Du erwartest nicht, dass ich anschließend darüber blogge, sonst haben wir wieder das Problem mit dem “permanenten Erwartungsdruck”. ;-)
von Daniel - 01.17.10 12:24 | Permalink
Dein Schweinehund hat einen Bruder, der bei mir wohnt… Hmm, ich hab eine wage Idee, ich schreib dir mal ne Mail.
von bee - 01.17.10 12:52 | Permalink
Viel Text mit viel Wahrheit.
Das ist selten. Sehr gut!!
von Ronny D. - 01.17.10 17:12 | Permalink
Wahre Worte. Auch bei mir wich die Muße manchmal einem Zwang. Schlecht für die Kreativität, schlecht für die Laune und nicht zuletzt auch schlecht für den Familiensegen.
Mittlerweile lege ich ganz bewusst regelmäßig “kamerafreie” Tage ein. Besser ist das wirklich ;-)
von Pakami - 01.17.10 23:01 | Permalink
[...] Beitrag ist eine Antwort auf “Fotografie ist Muße. Wenn man es zulässt.” von Birgit [...]
von Der Film ist voll » RE: Fotografie ist Muße. Wenn man es zulässt. - 01.17.10 23:29 | Permalink
ein toller artikel. du hast so recht, ich kenne das nur zu gut. jeden oder jeden zweiten, maximal aber jeden dritten tag bloggen, dann hänge ich aber eh schon mit all meinen projekten hinterher, ich hab zu tun dass ich eben all diese online stelle, dazwischen hin und wieder noch ein bisschen paleica herself posten. wenn mans mal ein paar tage liegen lässt dauert es stunden bis wieder alles aufgearbeitet ist. ich hab noch keinen zugang dazu gefunden, wie ich den stress weglasse und nur den spaß genießen kann. zumindest nicht, wenn ich einigermaßen meine besucherzahlen halten will.. achja. man macht sich manchmal schon selbst das leben schwer.
von Paleica - 01.18.10 12:47 | Permalink
Weise Erkenntnisse. Du hast recht. Ich habe zu Weihnachten meine Wunschtraumkamera bekommen und werde mit ihr auch mal anders auf Bildersuche gehen. Danke :-)
von Finn - 01.19.10 8:30 | Permalink
Danke für deinen Denkanstoß !!
Klar – mit all dem Druck im Hintergrund verliert man ja zwangsläufig den Spaß an der Sache und so ist das bei mir auch – die erste Euphorie ist oft schnell verflogen wenn ich etwas *Muss* – egal wie sich das müssen zusammensetzt! Auch ich versuche es mal ruhiger anzugehen – mal schauen, viellicht ist das ja auch produktiver ????
von Manu - 01.19.10 9:10 | Permalink
Hallo Birgit!
Ein schöner Artikel, der mir ausgesprochen gut gefällt. Danke.
Viele Grüsse vom Polarkreis
Henning
von Henning Wüst - 01.19.10 22:26 | Permalink
Hallo Bee,
Schön das es Menschen gibt, die sich noch auf das wichtige Konzentrieren, oder zumindest sich erstmal darüber Gedanken machen. Einmal sich Ruhe gönnen und nur das machen was man selbst will, ist doch was feines. Meine Situation über Weíhnachten war beinahe die gleiche wie bei dir, mit der Ausnahme, das ich meine Kamera über 2 Wochen überhauptnicht aus der Tasche gehohlt habe und nur andere Sachen gemacht hatte. Und was soll ich sagen: das hat MIR auch gut getan.
In diesem Sinne. Mehr Muse für uns und die Welt.
mahom
von mahom - 01.20.10 8:34 | Permalink
Du sprichst mir aus der Seele, das ich muss lasstet echt manchemal massiv auf der Seele. Ich hab mir zu Weinachten ein neues Objektiv gegönnt und dann war das “du musst” so schlimm das ich bewußt NICHT fotographiert habe um dem Druck nicht nachzugeben. Und dann gestern los und ganz entspannt .. herrlich
von uckiabe - 01.20.10 14:13 | Permalink
:-) Meine besten Fotos habe ich alle in der Mittagspause gemacht. Einfach raus, in den Bürogarten, in den Ort, in den Wald… Einfach nur raus, Kopf ausschalten und mit der Kamera verschmelzen.
Viele Grüße Silke
von sushisu - 01.21.10 23:47 | Permalink
Toller Beitrag! Mir geht es so ähnlich…Also, viel Spaß im neuen Jahr:) Bin auch schon mal gespannt.
Edit by bee: SEO-Link entfernt
von Charlotte - 01.22.10 7:16 | Permalink
[...] Tipp: Loggt euch mit euren Flickr-Account Daten ein und die kreativ-Reise kann losgehen. — Birgit schreibt darüber wie man Fotografie sehen kann und wie man ganz ruhig an das liebste Hobby ran gehen kann. [...]
von Kreativlinks vom 28. Januar 2010 - farbwolke.de - 01.28.10 18:14 | Permalink
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