Warum ich mit meinen Fotos KEIN Geld verdienen will

Immer wieder werde ich von Freunden oder Bekannten angesprochen, ich könne mit diesem oder jenem Foto doch sicher Geld machen. Meine Dienste auf Hochzeiten anbieten. Oder irgendwo Bilder ausstellen und nen Preisschild dranhängen.

Das stimmt, ich könnte. Wenn ich wollte. Aber ich will nicht.

Denn dadurch…

  • beschränke ich meine Kreativität. Wenn ich Bilder in eine Bilddatenbank wie fotolia hochlade, dann schaue ich genau, welches Bild wie oft genommen wird. Überlege, woran das liegen könnte. Und werde versuchen, noch mehr solcher Bilder zu machen.
  • angebot Warum ich mit meinen Fotos KEIN Geld verdienen willverliere ich viel Zeit. Ich würde schauen, welche “Marktlücken” es geben könnte. Und dann losziehen und diese Themen fotografieren. Auch wenn sie mich nicht interessieren (bei Fotolia gab es mal eine Weile kein einziges Bild zum Schlagwort “Gulli”…). Da geht dann einiges an Zeit drauf, ohne dass ich mich weiterentwickel.
  • wird es kompliziert. Ich kenne mich nicht genau mit den rechtlichen Bedingungen aus, aber irgendwann müsste ich ein Gewerbe anmelden. Allein die Erstberatung beim Rechtsanwalt für Internetthemen kostet locker 150 Euro.
  • muss ich Fotos auf dem Blog löschen. Denn wenn ich mit meinen Bildern Geld mache, ist mein Blog unweigerlich meine Visitenkarte – und damit gewerblich. Für eine Menge Bilder habe ich aber nur eine Veröffentlichungsgenehmigung bekommen, weil ich versprochen habe, dass ich damit kein Geld verdiene. Alle Bilder aus Zoos umfasst das, vom Markgräflichen Opernhaus, der Eremitage in Bayreuth, alle Bilder mit Menschen drauf…
  • muss ich fotografieren. Sowie ich einen Auftrag annehmen würde, wäre ich gezwungen zu fotografieren. Wann und was der Kunde will.

Aber die Fotografie ist mein Hobby. Mein Ausgleich zur Arbeit, das, was wirklich “meins” ist. Ebenso mein Blog. Beides ist mir heilig. Und beides muss unbedingt und absolut frei bleiben. Frei von dem Gefühl, etwas zu müssen, weil ich sonst finanzielles Potenzial verschenke oder weil jemand es von mir erwartet.

Wenn ich fotografieren will, dann auch das, was ICH fotografieren will. Soviel, wie ich will. Und wenn ich mal grad keine Lust hab, dann kann ich guten Gewissens einfach mal nichts tun. Weil nicht andere und nicht ich selbst mir Druck machen, dass etwas erledigt werden muss.

Steffen von lens-flare.de hat übrigens kürzlich etwas Ähnliches erkannt, als er laut überlegte, ob es sich lohne, hauptberuflicher Fotograf zu werden:

… und wahrscheinlich entdeckt man dann auch schnell, wie schön es eigentlich ist, wenn die Fotografie einfach ein Hobby bleibt.

35 Kommentare


  • Sehe ich genau so wie du, würde mich auch nicht in meiner Kreativität beschränken wollen.

    Zudem der ganze Kram mit dem Rechtlichen und so. Obwohl, es gäbe da ja noch die Möglichkeit mittels CreativeCommons ! ;)

    10. November 2009
  • Scorp

    Tja, mehr gibt es dazu wohl nicht zu sagen ;)

    Wir verstehen uns :up:

    10. November 2009
  • So oder so ähnliche Gedanken habe ich mir zu dem Thema auch gemacht und ich komme auch immer wieder zu dem gleichen Ergebnis: Ich bin ganz froh, kein Geld mit meinen Bildern verdienen zu müssen.

    10. November 2009
  • Sorry, aber da muss ich mal ganz offen und ehrlich meine Klare Meinung dazu abgeben:

    Jeder Einzelne Deiner Punkte ist völliger Quark.

    Bis vor ein paar Jahren hab ich ähnlich argumentiert, wollte ebenfalls kein Geld mit Fotografie verdienen.

    Inzwischen verdiene ich Geld mit Fotografie. Und fotografiere trotzdem nur, wozu ich Lust habe, habe weiterhin mein Blog mit allem privaten Kram dazwischen.

    Auch wenn Du mit Bildern Geld verdienst, zwingt niemand Dich, Microstock-Agenturen zu füttern. Du kannst sie genauso links liegen lassen wie jetzt auch.

    Auch zwingt Dich niemand dazu, nach Marktlücken zu suchen. Klar, sowas würde man tun, wenn man *aussschließlich* von der Fotografie leben möchte, aber “Geld verdienen mit Fotografie” ist nicht gleichbedeutend mit “ich schmeiß meinen Job hin und fotografier nur noch”.

    Besonders kompliziert ist das auch nicht: Du schreibst einfach Deine Einnahmen auf eine Liste (Excel-Tabelle), und diese Summe gibst Du in der Steuererklärung an. Und ein Anwalt ist die völlig falsche Anlaufstelle, ein Steuerberater wäre sinnvoll (typischer Fehler, zu glauben, man müsse einen Anwalt bei sowas befragen – der bringt einem nur Folgekosten, weil er einem Verträge usw. aufschwatzt). Wenn Du das regelmässig machst, wird Deine Gemeinde irgendwann beleidigt sein, wenn Du kein Gewerbe aufmachst, aber das sind überschaubare Kosten (solange man alles mit seinem Steuerberater abspricht, die kennen sich im Gegensatz zu Anwälten mit sowas aus – üblicherweise).

    Auf dem Blog musst Du gar nichts löschen. Nur weil Du Geld mit Fotografie verdienst, bist Du doch nicht gezwungen, jedes Bild auch verkaufen zu müssen. Und eine Visitenkarte brauchst Du auch nicht (auch wenn ich mir seit Jahren sagen, dass ich endlich mal eine erstellen sollte). Niemand zwingt Dich, auch nur Werbung für Deine Fotografie zu machen.

    Und wer zwingt Dich dann zum fotografieren? Ich mach Fotoaufträge gegen Geld, aber ich mach nur die, zu denen ich auch Lust habe. Wenn jemand mit was kommt, worauf ich keine Lust habe (oder ich auf die Person keine Lust habe), dann empfehle ich andere Fotografen vor Ort.

    Ich fotografiere auch nur, wozu ich Lust habe. Trotzdem verkaufe ich hin und wieder mal ein Shooting, Abzüge, Bilder. Im Moment bau ich grad eine Bilderserie, die in 100x25cm aufgezogen und gerahmt wird, und schau dann, wo ich die vielleicht ausstellen und verkaufen kann. Weil ich dazu Lust habe. Und wenn ich grad keine Lust habe, dann liegt das Projekt eben brach, bis ich mal wieder Lust habe.

    Wovon Steffen schrieb, war “hauptberuflich Fotograf” zu werden – das ist etwas völlig anderes, als mit Fotografie Geld zu verdienen. Sein Geld mit Fotografie verdienen *müssen* möchte ich auch nicht, aber Geld mit Fotografie verdienen *können* muss man trotzdem nicht den Rücken zukehren.

    10. November 2009
  • bee

    @Sam:
    Vielleicht hat dieser Post für viele Fotografen gar keine Relevanz. Aber für mich gilt er.

    Ich kenne mich. Ich würde nicht nur ein gutes Foto, das ich gemacht habe, “auch” irgendwo hochladen. Sondern mich dann darein verbeißen. Täglich die Downloadzahlen ansehen. Und da nach Optimierungspotenzial suchen. Sowas kann ich nicht nebenbei laufen lassen. Klar, ich könnte das lassen und nur Events oder Personen fotografieren.

    Aber… Ich hab vor einem halben Jahr mal ein Urteil gelesen, darin hieß es, jetzt etwas vereinfacht: Wenn ich meine fotografischen Dienste (für Hochzeiten z.B.) anbiete und einen Fotoblog hab, dann gilt der als Teil meines Geschäfts, weil er etwas über mein Können aussagt. Selbst, wenn ich ihn als privat gestalte, fließt er unweigerlich mit ins Geschäftliche. Einfach weil er meine Visitenkarte im Netz ist und die Themennähe da ist.

    Sofern das noch stimmt, wäre mein Blog indirekt kommerziell genutzt. Und ich müsste ne Menge Fotos löschen – einfach weil sie sonst schon halb als “kommerziell genutzt” gelten würden (selbst wenn ich diese Fotos nicht direkt verkaufe) und ich das nicht darf. Allein das ist es nicht wert.

    Dass Steffen noch einen großen Schritt weiter gedacht hat, ist mir klar – aber das Zitat passt auch für mich ;)

    10. November 2009
  • bee

    @Lexx: Ohne jetzt ein zweites Diskussionsthema aufmachen zu wollen – ich kenn die CC, auch wenn meine Fotos unter keiner eingestellt sind. Aber ich sammel grad einige Texturen, die ich unter einer CC auf brusheezy.com on stellen werde. Ich warte nur, dass die die Funktion einbauen (weiß, dass sie kommt, hab auch die beta-Seite schon gesehn).

    10. November 2009
  • @Bee, wenn Du Dich so kennst, ist das etwas anderes (wobei ich gar kein Foto zu einer Stockagentur hochladen würde, womit auch das ‘mehr hochladen’ ausfällt – das interessiert mich einfach nicht).

    Das Urteil bezüglich Blog und Anbieten von FotoDiensten würde mich allerdings interessieren, weil ich mich frage wo da die Klage ist (wobei das auch wieder quark ist: ich biete meine Dienste nicht an. Ich habe keine Werbung dafür auf meiner Webseite. Warum sollte also irgendwer mein Blog für kommmerziell halten??)

    Aber aus so einem Urteil, wenn es das denn wirklich geben sollte, würde ja auch folgern, das mein Blog als offiziell für meine Software-Firma gelten könnte. Und falls es sowas geben sollte (was ich nicht glaube), würde mich das sehr interessieren!
    Du weißt aber nicht mehr, wo Du das gelesen hast, oder?

    10. November 2009
  • Voice from hell

    Wenn man etwas mit einer Gewinnerzielungsabsicht betreibt, und Waren bzw. Dienstleitungen extra zu diesem Zweck anbietet, dann verlässt man den privaten Bereich und bewegt sich auf der gewerblichen Schiene.
    Ab dem Moment gehört eine ganze Menge dazu um sein “Business” so zu festigen, dass es gegenüber Konkurrenten bestehen kann. Gerade im Internet ist das “hauen, beißen und stechen” (Abmahnungen wegen jedem Kram) ein offenbar gutes und teilweise auch lukratives Mittel um der Konkurrenz das Leben schwer zu machen.
    Fängt beim Impressum an und hört bei den Angaben von Preisen auf. Mit einem Steuerberater kommt man da nicht weiter. Hier ist, wie Bee schon richtigerweise erkannte, ein Anwalt – zumindest für AGB (sofern man welche einsetzt, aber welche Gewerbetreibende macht das nicht?!) notwendig.
    Weiterhin ist die strikte Trennung zwischen privaten Fotos und den kommernziellen Fotos notwendig. Und hier geht es dann auch vermutlich den Bereich, den Bee meinen könnte. Wenn man aus Spaß Bilder gemacht hat, was macht man nun damit? Privater Blog oder zum Verkauf anbieten? Einmal entschieden, gibts dann kein zurück mehr, denn wenn man ein Bild verkauft und der Käufer sieht es (entsprechend des Vertrages) nochmal woanders, dann wird er ruckzuck auf der Matte stehen und fragen wieso ein und dieselbe Ware 2x verkauft werden kann.
    Bilder die Bee hier privat einstellt, könnten evtl. schon im Umlauf sein, weil sie dafür die Erlaubnis erteilt hat. Diese lässt sich schlecht widerrufen – jedenfalls nicht für Bilder, die bereits so in Umlauf gerieten.
    Um aber nochmal auf der Gewerbliche zurückzukommen: Dienste wie Fotografieren auf Hochzeiten, Messen usw. sind unter dem o.g. Aspekt der Gewinnerzielungsabsicht auf jeden Fall gewerblich und haben hier im Blog dann nichts zu suchen, denn dann wird dieser private Blog Mittel zum Zweck, denn wenn sich daraus ein Verkauf ergibt, dann ist es vorbei mit dem privten Blog. Allein um das zu umgehen, sollte man das strikt trennen.
    Und ob Bee nun die daraus resultierenden Folgen und Kosten von gewerblichen fotografischen Diensten antun will, müsste sie sich, neben dem Stress beim Fotografieren, auch noch überlegen.

    10. November 2009
  • @Voice from hell:
    Warum muss ich “meinen Business festigen”? Warum überhaupt eine kommerzielle Webseite haben?
    Ihr springt alle drei Schritte weiter, denkt bei “Geld verdienen” gleich an “ich muss dann ja auch richtig als Business auftreten”.

    Keiner zwingt euch. Ihr könnt Bilder verkaufen, ganz ohne es je auf einer Webseite zu erwähnen. Niemand muss Marketing betreiben. Und es gibt keinen Grund gegen irgend jemand “bestehen” zu wollen. Man macht, wozu man Lust hat, und fertig.

    Das ist ähnlicher Unsinn wie der Irrglaube, wenn man im Lotto gewinnt, müsse man sein Geld gut anlegen. Quatsch. Man kann das genauso gut auf dem Girokonto liegen lassen, ganz ohne Zinsen.
    Marketing, Werbung, “bestehen”, das ist alles kein Zwang um mit der Fotografie Geld zu verdienen.

    “Aber man muss doch Werben” – Nö, muss man nicht. Jedenfalls nicht, wenn man es nebenher macht. Man braucht auch nirgendwo Preise zu veröffentlichen, zu Werben oder es auch nur zu erwähnen.
    Und trotzdem kann man mit Fotografie Geld verdienen, einfach weil man offen für die Möglichkeit ist, man jemand ein Bild zeigt, und der es einem gerne abkaufen möchte, ja sagt, wenn jemand fragt, ob man ein Shooting mit demjenigen gegen Geld macht.

    Alleine schon, weil man Abzüge seiner Fotos im Bekanntenkreis verkauft, weil jemand gerne einen davon hätte – oder zahlt ihr alle Abzüge für alle Bekannte, die gerne eines eurer Fotos hätten???

    10. November 2009
  • Voice from hell

    @SAM:
    Warum sollte man dann etwas halbherzig nebenbei anfangen? ;-) Wenn ich Geld verdienen will, dann auch so das sich der Aufwand lohnt, ansonsten brauch ich nicht anzufangen etwas anzubieten – dann kann man es lieber privat laufen lassen.
    Man kann alles irgendwie anfangen und das so auf Sparflamme laufen lassen.
    Spätestens wenn das Finanzamt keine Gewinnerzielungsabsicht feststellt, weil man immer nur Umsatzsteuervoranmeldungen liefert, bei denen das FA zahlen muss, dann wird aus dem Gewerbe Liebhaberei und dann ist Ende mit dem Gewerbe.
    Selbst wenn es nebenbei ist, muss sich der Aufwand lohnen. Und z.b. einen Steuerberater kann sich jemand – insbesondere, wenn er es nicht konsequent und professionell betreibt – kaum leisten. Der arbeitet nicht kostenlos und das Geld muss erst mal verdient werden. Das klappt aber nicht, wenn man nur hier und da mal 10 EUR für einen Abzug einnimmt ;-)

    Nix für ungut, Sam, aber ich bin im EDV Bereich auch nebenbei selbstständig und sehe das leider anders als Du. Gerade in der Branche ist das “nebenbei” eh so eine Sache und wenn sich dann rausstellt, das man eh nur das macht, wozu man Lust hat, dann ist schneller der Ofen aus als man denkt, denn solche Dienstleister werden schnell – nach dem Motto “och, nahher hat der keine Lust die Serverwartung zu machen” als unbrauchbar eingestuft.
    Ich kann mir nicht vorstellen das es in anderen Branchen wie z.B. in der Fotografie großartig anders zugeht.

    Aber was zerbrechen wir uns Bee’s Kopf?! Es ist ihre Entscheidung und die Gründe sind für sie real und wichtig – und das sollten wir einfach so hinnehmen. :-)

    10. November 2009
  • @Voice from Hell
    Das ist eine Entscheidung etwas nicht halbherzig anfangen zu wollen, keine Verpflichtung. Und ihr verwechselt hier Entscheidungen mit Möglichkeiten.

    Für nebenbei braucht man auch keine Umsatzsteuer. Sowas meldet man an, wenn man zu viel Umsatz macht, oder wenn man es *will*. Du bist nicht mal verpflichtet, Deine Kosten abzusetzen, und kann damit auch steuern, ob ein Gewerbe Liebhaberei ist oder nicht (für richtig spontan und wenig Geld braucht man nicht mal ein Gewerbe, ein Gewerbe ist nur für “regelmässige Gewinnerzielungsabsicht” notwendig).

    Bei IT kann ich gut verstehen, dass man nicht mit jemand arbeitet, der nur macht wozu er Lust hat, dort ist Wartung und Garantie wichtig.
    Bei Fotografie macht das wenig Sinn, oder verkaufst Du Wartung zu den Fotos?

    Es geht mir auch gar nicht darum, das Bee kein Geld mit Fotografie verdienen möchte, das ist ihre Entscheidung, und wie auch immer sie fällt, ist sie gut. Aber die Gründe, die sie dafür angibt sind inhaltlich schlicht und einfach Unsinn.

    Aber ich hab meine Erklärung völlig falsch angefangen, das gebe ich zu. Mal ganz anders rum:

    Stell Dir vor, Du zeigst jemand ein Foto, das Du gemacht hast (wo keine Personen drauf sind, Du alle Rechte hast), er möchte das gerne auf Leinwand groß bei sich im Wohnzimmer aufhängen.
    Und derjenige ist auch bereit, das zu bezahlen, am liebsten wäre ihm, wenn Du das abziehen lässt, weil Du da mehr Ahnung hast (oder vielleicht hast Du es auch schon abgezogen bei Dir an der Wand hängen).
    Wirst Du dann ablehnen “sorry, kann Dir das Bild nicht geben, denn dann müsste ich ja Geld für meine Kosten nehmen, und das hab ich mir geschworen werde ich nicht tun.” Oder zahlst Du ihm den Abzug (yeah, wir sind ja alle reich, gell)?
    Oder sagst Du “ja klar, gib mir die Euro die das mich kostet, den Abzug zu machen”

    Die letzte Option ist dann schon ein Verkauf.
    “Aber ich hab mir doch nur die Kosten wiedergeben lassen”. Egal, es ist trotzdem ein Verkauf. Und solche Verkäufe lehnst Du von vornerein ab?

    10. November 2009
  • bee

    Ui da ist man mal paar Stunden nicht da…

    Ich antworte mal in Steno, weil wenig Zeit:
    * Das Urteil hab ich leider nicht mehr gefunden. Hatte es damals gelesen und mir gedacht: Machste ja eh nicht.
    Dabei ging es aber nicht um fotolia & Co. Sondern um Auftragsarbeit. Wenn ich Hochzeiten fotografiere und dort Bilder hab, die in den Bereich fallen, dann gilt der private Blog als mein Portfolio. Dazu würd ich nicht nur “echte” Hochzeitsaufnahmen zählen, sondern auch Personenaufnahmen generell, aber auch Makro- und Bokehaufnahmen, denn auch die würde ich bei einer Hochzeit machen.

    * Wenn wer einen Abzug meiner Oder bestell es gleich auf seinen Namen. Ja, es ist ein Verkauf per definitione, aber ohne Gewinnerzielungsabsicht (und das meinte ich). Das müsste doch völlig unkritisch sein, oder?

    Wie gesagt, grundsätzlich kann man sicher nebenbei etwas Geld verdienen. Aber mir ist der rechtliche Bereich zu unsicher und es würde einfach nicht bei “nebenbei” bleiben, im Sinne von “zwanglos”.

    10. November 2009
  • @Bee, genau das meinte ich, und das ist per Definition ein Verkauf (egal ob Du dran verdienst oder nicht), und völlig unkritisch.
    Und selbst wenn Du daran verdienst, ist der unkritisch, und das war es, worauf ich hinaus wollte.

    Irgendwie verbindet jeder mit “Geld verdienen” nur die schwierigen Dinge, und die, wo es quasi von alleine passiert, nimmt man nicht als Verkauf ernst. Da liegt meiner Meinung nach der Denkfehler.

    10. November 2009
  • bee

    Hihi so langsam kommen wir (im Rahmen unserer jeweiligen Meinung) zunander ;) Dieser Post war dazu gedacht, dass ich die Diskussion mit “inserier doch in der Zeitung” oder “lad doch mal was bei fotolia hoch” nicht 1000fach führen muss, sondern es einmal gesagt wurde :)

    Selbst wenn bei der Verkaufsart, die du meinst, die Argumente mit “Druck” und “Stress” nicht greifen: Ich hab so viele Foto- und Veröffentlichungsgenehmigungennur erhalten, weil ich gesagt hab, dass es absolut privat und ohne Gewinnerzielungsabsicht ist. Das Vertrauen ist mir sehr wichtig, darum werd ich dabei bleiben: Ich werde kein Geld damit verdienen.

    10. November 2009
  • Ja, nur da du nicht gesagt hast “ich will nicht bei Fotolia hochladen und auch nicht in der Zeitung inserieren”, ging das bei mir völlig in die falsche Richtung.

    Mein Anfang weg von “ich will kein Geld damit verdienen” war eine simple Situation (alle Zahlen auf hübsche Werte gerundet):

    Ich hatte bei Pixum 20 Abzüge bestellt, kostete 10 Cent je Abzug plus 2 Euro Versandkosten. Diese zeigte ich eher zufällig jemand. Sie, völlig begeistert, wollte davon gerne drei Stück haben, und mir das Geld dafür geben.
    Überlegung: was nehm ich dafür? 30 Cent für die drei Abzüge? Oder tu ich so, als wenn ich sie ihr extra bestell, dann sinds 30Cent+2Euro Versand? Oder rechne ich den Versand Anteilig auf die Fotos um, also 60Cent?
    Im endeffekt hat sie mir 2Euro gegeben.
    Je nach Rechenweg hab ich somit entweder Gewinn oder Verlust gemacht. Aber das ist ziemlich egal, denn:
    es ist ein Verkauf, es ist ein “Geld verdienen”, selbst wenn ich im Endeffekt Verlust mache.

    Was würdest Du an so einer Stelle tun? Und warum nicht auch 5 Euro für einen Abzug nehmen, wenn es dem Käufer das Wert ist?
    Und was hat das mit den Fotos auf Deiner Webseite zu tun?? Denn Fotos, wo ich das versprochen habe, würde ich auch nie kommerziell benutzen.

    10. November 2009
  • bee

    Ich hab bisher alle Abzüge, die sich wer gewünscht hat, verschenkt. Grundsätzlich fände ich aber auch diese Rechnung fair:

    Gesamtbestellkosten
    ——————————– x Anzahl ausgegebener Bilder
    Bildanzahl gesamt

    Und in so einem Fall könnte man, selbst wenn der andere auf den nächsten Euro aufrunden würde, wohl nicht von einer Gewinnerzielungsabsicht sprechen. Und folglich hätte es auch für meinen Blog keine Folgen – ob rechtlich oder moralisch.

    Aber darum ging es mir auch gar nicht. Die Überschrift lautet ja nicht “warum ich keine Bilder verkaufen will”, sondern “warum ich kein Geld verdienen will”. ;)

    10. November 2009
  • Um was es mir geht: selbst wenn Du jetzt 1Euro für einen Abzug nimmst, so dass Du Geld dabei über hast, wäre das noch Fair. Schließlich wickelst Du dafür die Bestellung ab usw. etc.
    Und Dir wäre vermutlich auch niemand dafür ernsthaft böse, manchmal sogar im Gegenteil (ich hab Abzüge für Leute gemacht, denen ich kostenlos eine CD mit den Fotos in die Hand gedrückt hätte, die aber keine Lust hatten, sich mit dem Bestellen auseinanderzusetzen oder keinen Rechner hatten, froh waren und gerne €1 pro Bild bezahlten, damit ich die Arbeit mach).
    Und das gilt für jeden Betrag. Wenn ich ein Bild richtig schick Rahme, Materialkosten für alles zusammen €50, und das für das doppelte, dreifache, vierfache verkaufe, ist das auch noch völlig im Rahmen, ohne dass sich dabei jemand über den Tisch gezogen fühlt.

    “Fair” ist kein Gefühl, keine Tatsache.

    10. November 2009
  • Ich habe jetzt nicht alle Kommentare gelesen, doch ich kann deinem Artikel nicht zustimmen. Warum solltest du deine Kreativität und Selbstbestimmung aufgeben, nur weil du Geld verdienen könntest? Ich freue mich über jeden Euro, den ich für meine Bildern bekomme. Dieses wird sofort in die Fotoausrüstung investiert.
    Zudem kommt, dass ich es gut finde, wenn meine Fotos und vor allem die Arbeit honoriert werden. Denn wenn ich eins nicht leiden kann ist, wenn es heißt: “das ich das mal eben so umsonst mache, nicht?”

    10. November 2009
  • bee

    @Sam: In diesem Fall gebe ich dir Recht. Wobei mir die Sache wg. dieses Urteils immer noch etwas heikel vorkommt und ich es deshalb lassen würde. Ich bin aber ganz extrem risikoavers da, das weiß ich schon. Mal abgesehen davon, dass diese Situation bisher nie aufgetreten ist, dass ich darüber nachdenken musste.

    Aber so eine Bezahlung wäre moralisch fair, absolut. Bin deiner Meinung.

    @Jana: Du solltest aber die Kommentare lesen – zumindest meinen ersten.

    Es liegt in meiner Natur, so etwas wenn, dann absolut zu betreiben. Und dadurch, durch mich selbst und meine Erwartungen an mich selbst, würde ich mich einschränken. Ich kenn mich. Hinzu kommt besagtes Urteil, welches alleine schon Grund genug ist, eben kein Geld zu verdienen.

    Was nicht heißt, dass ich alles umsonst fotografiere. Sondern nur das, wo ich das Gefühl hab, dass genug für mich “rausspringt”: Spaß, Erfahrung, schöne Bilder und das Recht zur Veröffentlichung. Das ist für mich die Währung, die zählt.

    10. November 2009
  • @Bee, ohne das Urteil gelesen zu haben ist das schwer zu beurteilen. Aber es würde mich sehr wundern, in dem Urteil geht es bestimmt um das betreiben eines “privaten” blog auf der Webseite, die derjenige für seine Firmenwerbung nutzt.

    Und Urteile werden gerne falsch interpretiert: man nehme nur diese unsinnige Distanzierung von verlinkten Seiten, die man in fast jedem Impressum findet, und die in erster Linie zeigt, dass die Leute das zugrundeliegende Urteil entweder nicht gelesen oder nicht verstanden haben.

    10. November 2009
  • bee

    Ja, die Distanzierung bringt mich immer wieder zum Schmunzeln.

    Ich werd heut Abend nochmal googlen, ob ich das Urteil finde. Wär ja schon arg interessant zu wissen.

    10. November 2009
  • sushisu

    *** Zitat von BEE
    “Wenn ich fotografieren will, dann auch das, was ICH fotografieren will. Soviel, wie ich will. Und wenn ich mal grad keine Lust hab, dann kann ich guten Gewissens einfach mal nichts tun. Weil nicht andere und nicht ich selbst mir Druck machen, dass etwas erledigt werden muss.”

    Genau so ist es bei mir auch. Ich möchte bestimmen, wann ich fotografiere, ich möchte bestimmen was ich fotografiere und wie ich fotografiere. Ganz ohne Zwang und Druck.
    Vor 2-3 Jahren habe ich mir Gedanken darüber gemacht, ob ich noch mal was Neues anfange, Fotografie mal richtig erlerne. Aber eigentlich will ich das nicht. Ich will nicht in einem Studio stehen und Fliessband-Fotos machen.
    Und ich will auch nicht meine sonstigen Fotos mit einem gigantischen Zeitaufwand für 1€ an den Mann oder die Frau bringen. In der Zeit gehe ich lieber fotografieren. Hin und wieder mal ein Foto für eine kleine Ausstellung aufbereiten, zeigen und und sich daran freuen, daß es auch anderen gefällt. Reicht mir vollkommen aus.

    11. November 2009
  • @Sushisu, warum glauben eigentlich so viele Leute, man müsse ganz viele Dinge tun, um Geld zu verdienen?
    Man *müsse* Leuten Fotos andrehen?
    Man *müsse* Sachen fotografieren, auf die man keine Lust hat?
    Man *müsse* Fliessband-Arbeit machen?

    Dieses “müsse” ist einfach der Denkfehler, der mich stört, wenn ich sowas lese. Man muss gar nichts. Und kann trotzdem Geld für etwas bekommen. Und, wie Jana sagt, das dann in die Fotoausrüstung stecken.

    Lustigerweise stört es mich überhaupt nicht, wenn ihr kein Geld verdienen *wollt* – aber dieser “dann müsste ich”-Blödsinn, der stört mich. Ihr müsst gar nichts, um Geld annehmen zu können.

    11. November 2009
  • Wow, kaum schaut man hier mal paar Tage nicht rein (eben, weil man auf ner Hochzeit unterwegs ist und mit seinen Fotos ein paar Euronen verdient…), tobt hier voll der Punk.
    Sehr interessante Diskussion. Besagtes Urteil würde mich auch brennend interesieren, gerade eben deshalb, weil ich gerade anfange mit meinen Bilder Geld zu verdienen und meine ersten Auftragsarbeiten hinter mir habe.
    Aber, kurz dazu: Ich MUSS garnichts, aber ich KANN vieles machen. Meine Kreativität schränke ich damit überhaupt nicht ein. Außer, ich lasse es soweit kommen ;-)

    11. November 2009
  • Der eigentliche Post spricht mir aus der Seele. Ich habe auch schon darüber nachgedacht mit der Fotografie Geld zu verdienen, bin dann aber zu dem Schluß gekommen, dass ich mich erstens nicht für gut genug halte und zweitens gerne den Luxus eines zeit- und kostspieligen Hobbys habe.
    Ich habe einmal ein Hobby zum Beruf gemacht, das hat glücklicherweise geklappt, aber mittlerweile ist es nur noch ein Job und kein Hobby mehr.

    11. November 2009
  • sushisu

    @ Sam: funktioniert Dein Beruf indem Du nur die Dinge tust, auf die Du Lust hast und die Du gerade tun möchtest?
    Ich muß gar nichts tun. Genau. So handhabe ich das in Bezug auf Nebeneinkünfte durch Fotos auch. Ich tue einfach nichts. Sobald ich anfange dafür Geld anzunehmen, besteht die Notwendigkeit dafür Gegenleistungen zu erbringen. ;-)

    11. November 2009
  • Du hast das toll beschrieben und geschrieben. Ich sehe das fast genauso, dennoch schlage ich kleine Aufträge nicht ab. Es liegt ganz bei mir was ich fotografieren möchte, wenn mir ein Auftrag nicht zusagt, dann eben nicht. Das geht aber nur solange gut, wie ich auf die Taler nicht angewiesen bin. Deswegen habe ich drei Standbeine, Foto, PHP und Studium ;) . Liebe Grüße!

    12. November 2009
  • @Sushisu: Fotografieren ist nicht mein Beruf. Und da ist Dein Denkfehler: ich muss Fotografieren nicht zu meinem Beruf machen, schon gar nicht zum Alleinigen, um damit Geld zu verdienen.
    Und Geld kann man auch für Leistungen bekommen, die man bereits erbracht hat – weil man Lust dazu hatte.
    Ich hab schon einige Bilder verkauft, die ich bereits in der Hand hielt. Wo die Fotos schon gemacht waren, die Abzüge bereits erstellt waren, ich musste nur noch das Foto gegen das Geld tauschen. Wo siehst Du da die ach so schreckliche Gegenleistung, die erwartet wird “ach je, jetzt muss ich dieses Geld annehmen, ich weiß ja gar nicht, ob ich dazu Lust habe” vielleicht???

    12. November 2009
  • Ich finde die Diskussion echt interessant :-)

    Sams Argumentation kann ich mich voll anschließen. Er sieht es locker, ohne Zwang, hat einen “Brot-Beruf” und *kann*, wenn er möchte, nebenbei mit seinen Fotos Geld verdienen. Für ihn gibt es keine Notwendigkeit, zu werben, und er hat daher bzgl. Homepage oder blog auch nichts zu beachten.

    Andere *müssen* mit Fotografie Geld verdienen, und *müssen* dadurch auch die schrecklich komplizierten Dinge beachten…
    Sehe ich das richtig? :?:

    Ich für meinen Teil bin jedenfalls auch froh, dass ich mit der Fotografie kein Geld verdienen *muss*, und insofern kann ich mich auch Bee’s Meinung anschließen…

    Just my 2 Cents…

    12. November 2009
  • sushisu

    @ Sam: Es gibt da keinen Denkfehler. Ich weiß schon, daß Du Dich aufs Fotografieren als Hobby und kleine Nebenbei-Einnahmen beziehst.
    Du hast allerdings das Muss aus meinem Beitrag aus seinem Kontext gelöst. Bei mir steht es zusammen mit Überlegungen Fotografie hauptberuflich zu betreiben, im fortgeschrittenen Alter ;) eine Fotografenlehre zu machen oder ein Fotografiestudium. Sobald Fotografie Beruf ist, gibt es ganz klar ein Muss, gibt es für den normalen Berufsfotografen mit kleinem Studio Fließbandarbeit. Passbilder, Kindergartenfotos…

    Wenn jemand auf mich zu kommen würde, der ein schon gedrucktes Foto von mir kaufen möchte, dann würde ich das Geld natürlich nehmen. Nur ist es bei meinen Fotos so dermaßen unwahrscheinlich, daß das jemals passieren wird… ;)
    Die Grenzen bis zu welchen man kleine Foto-Nebentätigkeiten als Bereicherung sieht sind sicher individuell verschieden. Je nachdem wie weit derjenige mit anderen Dingen schon ausgelastet ist.

    12. November 2009
  • Du hast nur Vorteile aufgezählt, den größten Nachteil hast Du jedoch vergessen: Du verdienst mit den Fotos (und mit Deinem Hobby) kein Geld… ;)

    13. November 2009
  • [...] Engelhardt hat auf ihrem Blog ein interessantes Thema angesprochen, das mich auch immer mal wieder beschäftigt. Sie philosophiert darüber, dass sie [...]

    13. November 2009
  • @Sushisu, Dein Kommentar oben sagte nichts darüber aus, dass Du ihn für Fotografie als Hauptberuf meinst – und am Gedanken lesen arbeite ich noch ;)

    13. November 2009
  • @ Sam: Nein, Gedankenlesen muß keiner. Sorry, daß das nicht so klar formuliert war. Neu anfangen bedeutete für mich ein beruflicher Neuanfang, kein neues Hobby.

    13. November 2009
  • @Sushisu, dann war das ein Missverständnis, sorry – da Bee’s Artikel nicht um einen Neuanfang sondern um Geld verdienen ging (zwei sehr unterschiedliche Dinge im Detail) hab ich es darauf bezogen.
    Im Endeffekt scheinen wir uns ja auch einig zu sein:

    Neuanfang als Fotograf? Danke nein!
    Nebenher auch mal Geld für ein Foto bekommen? Ok!

    13. November 2009

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