Dies ist der zweite Teil von Patricks Gastbeitrag zur Panoramafotografie. Teil 1 findet ihr hier.
2. Die Aufnahme
Bei der Aufnahme der Einzelbilder für ein Kugelpanorama muss man ein paar Dinge beachten.
- Der Weißabgleich sollte nicht auf Automatik stehen, sondern manuell eingestellt werden, damit sich dieser nicht zwischen den Aufnahmen ändert.
- Die Belichtung muss manuell eingestellt werden, da diese sich ebenfalls nicht ändern darf.
- Ebenso sollte der Autofokus deaktiviert werden, da auch dieser sich nicht ändern darf.
- Man sollte eine kleine Wasserwaag auf den Blitzschuh stecken und die Kamera absolut gerade auf dem Stativ ausrichten.
- Die Blende sollte nicht zu offen gewählt werden, da aus der Erfahrung heraus Unschärfe im Panorama nicht wirklich gut wirkt.
Hat man all das bedacht, kann es losgehen. Es wird eine Aufnahme nach der anderen erstellt, wobei der Nodalpunktadapter zwischen den Bildern jeweils um die entsprechende Gradzahl weitergedreht wird. Hat man sich einmal im Kreis gedreht, so ist ein Bild nach oben (Zenith) und mindestens eins nach unten (Nadir) noch fällig. Ich nehme zudem immer noch ein Nadirbild aus der Hand auf ohne Stativ, denn das will man am Ende ja nicht mit auf dem Bild haben. Das letzte Bild aus der Hand wird man nicht so 100% positionieren können, was aber kein Problem ist, da PTGui die sog. Viewpoint-Funktion besitzt, die das Bild entsprechend einpasst. Zur Viewpoint-Funktion habe ich schon einmal ein eigenen Tutorial geschrieben .
Scheint die Sonne stark, so solltet Ihr bei der Aufnahme auch auf die Schatten am Boden achten. Besonders Euer eigener Schatten kann ganz schön nerven beim späteren Stitching der Einzelbilder.
Hier mal ein Satz Ausgangsbilder, die ich für dieses Tutorial verwendet habe.
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Wie Ihr seht, habe ich mich dort selbst mit auf den Bildern drauf und zusätzlich auch noch einige hässliche Schatten. Diese lassen sich mit sog. Alphamasken und späteren Wegstempeln in Photoshop entfernen. Dieser Arbeitsschritt ist jedoch ein Artikel für sich. Wie das mit den Alphamasken geht, könnt Ihr in dem oben genannten Tutorial nachlesen.
3. Das Stitching
Sind die Aufnahmen erstellt und auf dem Rechner, geht es an das Stitching. Dabei werden alle Bilder in PTGui geladen und dort zu einem Gesamtbild zusammengesetzt. PTGui macht dabei das meiste vollautomatisch. Es werden sog. Kontrollpunkte generiert, anhand derer die Schnittstellen zwischen den Bildern genau übereinander gelegt werden. Wenn man sich bei der Aufnahme Mühe gegeben hat, dann passen die Bilder meistens schon nach dem ersten Durchlauf mit PTGui perfekt zusammen und man sieht keine Schnittstelle mehr.
Hier ein Screenshot, in dem man die vorbereiteten Bilder mit den Alphamasken in PTGui geladen sieht.
Manchmal klappt das jedoch nicht so gut und man muss Kontrollpunkte von Hand setzen. Dabei markiert man einfach gleiche Stellen in benachbarten Bildern, die PTGui dann später genau übereinander legen muss. Je mehr Mühe man sich bei den Kontrollpunkten gibt, umso besser das Ergebnis. In der Vorschau kann man meistens schon erahnen, ob das Ergebnis gut ist oder nicht. Ich lasse mir jedoch meistens zwischendurch ein Panorama in niedrigerer Auflösung erzeugen, um die Qualität abschätzen zu können.
Dieser Screenshot zeigt den Controlpoint-Editor von PTGui
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Panoramen mit vielen Linien problematisch sind und manchmal ganz gut rumzicken. In dem Beispiel ist z.B. die obere Kante von dem Fähranleger-Schild etwas wiederspenstig gewesen, ebenso wie die Bretter auf dem Boden. Da musste ich dann doch noch einige Kontrollpunkte manuell nachsetzen, bevor das Ergebnis passte.
Ist man mit dem Stitching zufrieden, geht es an die Ausgabe.
4. Die Ausgabe
Der häufigste Fall ist bei mir die Erzeugung eines Kugelpanoramas. Wie das aussieht, könnt Ihr am folgenden Bild sehen.
Dieses Bild wird dann in den KRPano-Player geladen und dort mit Hilfe von Flash zu einem interaktiven Panorama umgewandelt, in dem man dann mit der Maus navigieren kann. Das Ergebnis könnt Ihr sehen, wenn Ihr auf das Bild oben klickt.
Um daraus nun einen kleinen Planeten zu erzeugen, geht man einfach wieder in PTGui und wählt dort als Ausgabeart “Little Planet Stereographic”, und schon wird das Bild anders projiziert und man hat den gewünschten Effekt. Einfach, oder? Zumindest wenn man die ganze Vorarbeit erledigt hat, und deshalb nenne ich es auch eher ein Abfallprodukt.
Mit diesem Vorgehen könnt Ihr die perfekten kleinen Planeten schaffen. Birgit hatte auch bereits beschrieben, wie man mit Photoshop Planetenbilder aus einem ganz normalen Panorama erzeugen kann. Dabei besteht jedoch das Problem, dass man es irgendwie hinbekommen muss, dass die linke Bildkante zur rechten passt, wenn diese sich treffen. Außerdem kann man mit einem echten 360°-Panorama viel spektakulärere Planeten erzeugen, da es nun mal ein richtiger Rundumblick ist.
Klar liegt der Teufel bei der Panoramafotografie im Detail. Ich bin an manchem Bild schon verzweifelt und habe nach einigen Stunden noch immer Fehler im Stitching entdeckt. Leider ist diese Art der Fotografie auch recht ausrüstungsintensiv, was manch einen abschreckend dürfte. Wer jedoch damit anfängt, kommt nicht mehr davon los.
In diesem Sinne freue ich mich auf Eure Fragen in den Kommentaren und hoffe dem ein oder anderen Mut gemacht zu haben, sich mit dieser Art der Fotografie zu beschäftigen.
Viele Grüße
Patrick
Ganz herzlichen Dank dir, Patrick! Dieser Gastartikel ist viel genialer, als ich zu träumen gewagt habe!
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4 Kommentare
Ups, sorry… der sollte gestern online gehen, da ist aber was schief gegangen. Tut mir leid
von bee - 11.26.09 16:42 | Permalink
Das ist wirklich eine Wissenschaft für sich!
von aki - 11.26.09 18:10 | Permalink
Toller Artikel!
Einige Panoramen (oder heißt das Panoramas??) habe ich auch schon erstellt, vielleicht werde ich mich auch mal an den kleinen Planeten versuchen.
von Thomas - 11.28.09 12:00 | Permalink
Tiny Planets…
Tiny Planets Lobeda
Die Birgit hatte einen Gastschreiber, welcher Tipps zum Thema “Tiny Planets” gab. Ich hatte noch nie davon gehört, aber Panoramabilder gibt es hier oder hier von mir genug. Ausprobieren und sich fesseln lassen war das Motto der …
von dailyshot.de - das Bild des Tages - 11.28.09 20:24 | Permalink
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