Gastartikel: Die Welt der kleinen Planeten – Teil I
- am 24. November 2009
- von bee
- in Bildbearbeitung
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Dies ist ein Gastartikel von Patrick. Aber lassen wir ihn sich selbst vorstellen
Vielen Dank an Birgit, dass ich diesen Gastartikel hier schreiben darf. Birgit hatte mich danach gefragt, weil Sie etwas zu diesen Bildern mit den kleinen Planeten geschrieben hatte und ich die Möglichkeit gleich genutzt habe, mal ein wenig Werbung für meine “Little Planets” zu machen. Daraus ist dann dieser kleine Gastartikel geworden.
Vorab kurz etwas zu mir: Mein Name ist Patrick Ludolph, ich bin so irgendwo Ende 30 Jahre alt und lebe in Hamburg. Hauptberuflich beschäftige ich mich mit der Webanalyse, und zwei meiner größten Hobbys sind die Bloggerei auf neunzehn72.de und eben auch die Fotografie. Besonders liebe ich jede Art von Bildern, die eigentlich erst im Computer so richtig entstehen, wie z.B. HDR-Bilder oder auch Panoramen, um die es im Folgenden hauptsächlich geht.
Einführung in das Thema
Die ursprüngliche Frage von Birgit war: “Wie machst Du die Planetenbilder und kannst Du nocht mal ein bisschen beschreiben, wie der Weg dahin aussieht?”
Ich muss gestehen, dass diese Planeten eigentlich ein Abfallprodukt der Panoramafotografie sind. Ich habe vor einiger Zeit meine Leidenschaft für die 360°-Panoramafotografie entdeckt und bin seitdem total infiziert. Das ging so weit, dass ich dazu sogar eine eigene Webseite unter 360.neunzehn72.de gestartet habe. Irgendwann habe ich festgestellt, dass man mit dem gleichen Ausgangsmaterial und mit nur einem Klick aus dem Panorama auch einen kleinen Planeten machen kann und von da an hatte ich auch die Leidenschaft dafür entdeckt.
Um zu beschreiben, wie die Planeten entstehen, muss ich etwas ausholen und erst einmal beschreiben, wie ein 360°-Kugelpanorama entsteht, denn wenn das fertig ist, dann ist der Planet nicht mehr weit.
Vom Grundworkflow her ist es eigentlich ganz einfach. Man dreht sich mit der Kamera einmal im Kreis und macht so viele Bilder, dass sich die Einzelbilder jeweils um etwa 20% überlappen. Danach macht man noch Bilder nach oben und unten, um Himmel und Boden mit im Panorama zu haben, und setzt alles im Computer zusammen.
Der Teufel liegt jedoch im Detail und ich will die einzelnen Schritte etwas detaillierter beschreiben. Ich gehe jedoch nicht bei jedem Schritt bis ins kleinste Detail und verweise teilweise auf Tutorials, die den Einzelschritt ausführlich beschreiben.
1. Ausrüstung und Software
Für die Fotografie von 360°-Panoramen benötigt man zunächst mal einen sog. Nodalpunktadapter. Dieser Adapter wird auf dem Stativ montiert und nimmt wiederum die Kamera auf. Die Aufgabe des Nodalpunktadapters ist es, die Kamera um die optische Achse des Objektivs zu drehen. Dreht man die Kamera um die Kameraachse, ungefähr da, wo das Stativgewinde ist, so stellt man sog. Parallaxeverschiebungen fest. Dabei verschieben sich Objekte im Vordergrund gegenüber Objekten im Hintergrund, wenn man die Kamera dreht.
Ihr könnt das ganz einfach ausprobieren: Kneift ein Auge zu und haltet die Zeigefinger beider Hände vor das offene Auge. Einen Finge möglichst weit weg vom Auge und den anderen möglichst nah. Richtet nun beide Finger in einer Linie aus, so dass der vordere den hinteren verdeckt. Jetzt dreht den Kopf. Ihr stellt fest, dass die beiden Finger sich gegenseitig verschieben. Dieser Effekt wird Parallaxeeffekt genannt und muss für die Panoramafotografie unbedingt vermieden werden. Um das zu vermeiden, müsst Ihr Euren Kopf nicht um den Hals drehen, sondern um das optische Zentrum des Auges. Ich weiss, das ist etwas schwierig ;-)
Bei der Kamera liegt dieser Drehpunkt normalerweise ziemlich weit vorne, dort, wo das Licht im Objektiv eintrifft. Mit dem Nodalpunktadapter bekommt man es hin, dass man die Kamera nun um diesen optischen Drehpunkt dreht und so keine Verschiebung von Vorder- und Hintergrund mehr hat.
Nodalpunktadapter gibt es im Preisrange von ca. 100,- € bis ca. 750,- €. Der Unterschied liegt hauptsächlich in Stabilität und Flexibilität. Wer mag, kann sich so ein Teil auch selbt basteln, es gibt diverse Anleitungen dazu. Sucht einfach mal nach “Nodalpunktadapter selber bauen” oder “Selbstbau Nodalpunktadapter”.
Desweiteren verwende ich für die Panoramafotografie ein Fischeye-Objektiv. Das ist nicht zwingend nötig, aber durch den extremen Weitwinkel benötige ich nur 6 Bilder für eine 360°-Drehung plus je ein Bild nach oben und unten. Verwendet man ein 24 mm Objektiv, so können es schnell 30 Bilder oder mehr werden, die man benötigt. Die genaue Anzahl der Bilder ist natürlich auch vom Sensor der Kamera abhängig, also ob man Crop oder Vollformat fotografiert. Je weniger Bilder man benötigt, umso stressfreier ist normalerweise auch die Nachbearbeitung, da ich natürlich weniger Bilder zusammenfügen muss. Außerdem sind auch Aufnahmen mit bewegten Objektien leichter.
Über die Hälfte der Arbeit geschieht am Rechner. Man benötigt eine sog. Stitching-Software, die aus den Einzelbildern ein Ganzes macht. Es gibt einige Freeware-Programme, mit denen man das machen kann, ich habe mich jedoch nach einigen Tests für die kostenpflichtige Software PTGui Pro entschieden, da ich damit am besten klar kam und die Ergebnisse überzeugten.
Außerdem verwende ich für die Präsentation der Panoramen im Web den Krpano-Panoramaplayer, der auf Flash basiert und auch in der Lage ist, Panoramen mit mehreren Gigapixeln Auflösung performant darzustellen. Auch hier gibt es kostenlose Alternativen, aber bis heute habe ich keine gesehen, die von der Performance mit Krpano mithalten kann. Ich habe mal ein Panorama von Hamburg gemacht, das ca. 450 Megapixel hat, und ich finde die Performance ist noch immer gut, wenn man bedenkt, was für eine Datenmenge dahinter liegt.
Insgesamt habe ich so knapp 200 € für Software investiert. Wie gesagt, es geht auch kostenlos, aber in diesem Artikel verwende ich die Software, die ich kenne. Die meisten Schritte sind dennoch problemlos übertragbar.




aki
Die Panoramafotos sind faszinierend. Ich kann verstehen, dass man nach ihnen süchtig wird. Die Umgebung wirkt durch sie erhaben und geheimnisvoll. Gekonnt ist gekonnt!
Paddy
Liebe Birgit,
vielen Dank, dass Du meinen kleinen Gastartikel hier veröffentlicht hast.
Sollte jemand Fragen zu den Bildern oder der Technik haben, stehe ich hier gerne Rede und Antwort.
Beste Grüße
Paddy
Gastartikel über die Welt der kleinen Planeten
[...] gerne nachgekommen. Heute und morgen erscheint daher der zweiteilige Gastartikel über die Welt der Kleinen Planeten auf Birgits Blog. Schaut doch mal rein, wenn Ihr wissen möchtet wie ich diese besondere Art der [...]
der Stilpirat
Hi Paddy, vielen Dank für das kleine Tutorial. Ich habe jedoch schon einige sehr schöne Planeten auch ohne Nodalpunktadapter erstellt.Ein einfaches Stativ tut es in diesem Fall auch. Ein Fisheye ist in diesem Fall jedoch fast zwingend. Auch die Anschaffung der Software lässt sich komplett sparen. Es gibt eine tolle Feeware namens “HugIn” – mit der kannst Du sehr einfach Stichen und Planeten erstellen.
Paddy
Hi Stilpirat,
ohne Nodalpunktadapter kommt man sehr gut aus, wenn die Motive weit genug entfernt sind, also bei Landschaften klappt das super. Aber wenn Du z.B. Innenräume aufnehmen willst wird es ohne Adapter schwierig.
Hugin ist auch nicht schlecht, allerdings hat die Software meines Wissens nach keinen HDR-Modus und auch nicht die Viewpoint-Correction, die ich herlich gesagt nicht mehr missen möchte. Aber ansonsten absolut empfehlenswert als Freeware.
thomas zilch fotografie » Kleine Planeten
[...] dem Blog von Birgit Engelhardt gibt es einen interessanten, zweiteiligen Gastartikel von Patrick Ludolph zu lesen. Es geht darin [...]
nasch
Wow, das klingt sehr interessant. Mich würde es interessieren aus wievielen Einzelbilder ein Panorama bei dir besteht. Allein schon wegen einmal im Kreis und dann wohl auch noch Erde und Himmel?
Ich bin beeindruckt