365 Tage, 365 Fotos. Martin im Interview. Und ein Gewinnspiel.

    67Ein Jahr ist es her, dass Martin sein 365-Tage-Fotoprojekt begonnen hat. Gestern hat er das letzte Foto geschossen. Wie es ihm in diesem Jahr ging, erzählt er in diesem Interview.

Ein Jahr lang täglich ein Foto – wie hat das dich und deine Fotografie geprägt?
Geprägt hat mich das Projekt, glaube ich, nicht; vielleicht weil ich mich schon in einem etwas fortgeschritteneren Alter befinde :).

Im Ernst: Das Projekt hat mich achtsamer gegenüber meiner Umgebung und dem, was darin geschieht, werden lassen.
Das erfolgreiche Abschließen des Projektes ist für mich auch eine Bestätigung, immer noch neue Herausforderungen und Aufgaben mit Begeisterung und Elan angehen zu können, jedoch auch die Disziplin zu besitzen, diese zu einem guten Ende zu bringen.

Eine sehr wichtige (fotografische) Erfahrung war die Erkenntniss, dass Motive dann den Weg zum Fotografen finden, wenn es Zeit dafür ist. Die ersten Wochen habe ich mir täglich überlegt – oftmals auch das Hirn zermartert – was denn zu fotografieren sei. Nach einiger Zeit habe ich mich für die Motivfindung einfach frei treiben lassen. Mit der Zeit hat sich der Blick für grundlegende Bildideen und Motive einfach entwickelt und es wurde immer einfacher, diese umzusetzen.

Wie konntest du dich so lange immer wieder motivieren?
Hm, ich habe das Projekt als “tägliches Ritual”, wie z.B. das Zähneputzen, in meinen Tagesablauf integriert, so war es einfach normal, jeden Tag ein Bild zu machen.

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Hast du durch das Projekt neue Techniken oder Genres ausprobiert, zu denen du sonst nie gekommen wärst?
Ja. Ich habe im letzten November – eigentlich aus der Not heraus geboren, neue Motive für das Projekt zu finden – die Langzeitfotografie für mich entdeckt. Ohne den “Druck” des 365-Tage-Fotoprojektes wäre ich wohl kaum im November in die Dunkelheit losgezogen, um kalte Abende mit Langezeitbelichtungen im Freien zu verbringen.

Die Faszination für Langzeitbelichtungen war somit geweckt. Dieses Frühjahr habe mein Sigma 70-200mm verkauft, um finanzielle Freiräume für ein Lee-Filter-System (Big Stopper, ND-Grauverlaufsfilter Soft 0.9) mit Adapterringen für 77mm und 82mm zu bekommen.  Damit machen Langzeitbelichtungen wirklich Spaß und man ist deutlich flexibler als mit Graufiltern zum Schrauben.

Im Rahmen der diesjährigen Nikon Summer Cash Back Aktion habe ich mir ein Nikon 16-35 F/4 geleistet; einfach, um mehr Weitwinkel für Langzeitbelichtungen zur Verfügung zu haben.

Da ich Ende September zwei Wochen Urlaub in der Normandie mache und ich gerüstet für wirklich gute Langzeitbelichtungen sein wollte, habe ich im August fleißig mit dem 16-35mm und den Lee-Filtern geübt; daraus sind viele Langzeitbelichtungen für das 365-Tage-Fotoprojekt im August entstanden.

Gibt es einen roten Faden, der sich durch deine Fotos zieht? Oder mehrere kleinere? Wie hat sich das entwickelt?
Nein, einen roten Faden gibt es nicht. Meine Intention vor einem Jahr war simpel und einfach: nicht nur den Fotoapparat (Fuji X100) jeden Tag mit mir herumzutragen, sondern diesen auch einzusetzen. Wenn ich mir jedoch nach 365 Tagen die täglich gepflegten Kategorien ansehe, so stelle ich fest, dass mehr Bilder mit der Nikon D800 als mit der Fuji entstanden sind. Im Umkehrschluss bedeuted dies:  Ich habe mehr Bilder/Motive bewusst mit der “Großen” fotografiert als mit der “Kleinen” , die immer dabei war.

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Wirst du es irgendwann wieder tun?
Nein. Ich bin der Meinung, dass ein abgeschlossenes 365-Tage-Fotoprojekt zu den Erfahrungen gehört, die man nur einmal machen sollte. Das hört sich erstmal negativ an, ist aber positiv gemeint: Für mich ist der Kick bei einem so langen Projekt die Erfahrung, die Gefühle, “das Adrenalin” am Tag #365 oder #366. Diese wenigen Augenblicke sollten einmalig sein, damit sie sich tief ins Bewusstein einprägen und in “schlechten Zeiten” als Quell der Motivation dienen können.

In einer abgewandelten Form: Ja. Ich könnte mir ein “52-Wochen-Projekt” mit Panoramen oder Langzeitbelichtungen vorstellen, oder auch ein Projekt wie z.B. Pabuca zu starten.

Wie wird die Zeit “danach” aussehen?
In den ersten Tagen “danach” werde ich “das Tägliche” schon vermissen. Da dies Gefühl sicherlich schnell vergehen wird, werde ich es dann genießen, jeden Tag wieder mehr Zeit für meine anderen Projekte und Ideen zu haben.

Eine Idee ist z.B. ein eBook über meine Motivation und auch über die subjektiv besten Bilder des 365-Tage-Fotoprojektes zu schreiben. Dann möchte ich meinen normalen Blog gerne so weit voranbringen, dass ich in absehbarer Zeit zumindest die Unkosten für den Rootserver decken kann.

Hast du Tipps für andere, die so ein Projekt starten möchten?

  • Wartet nicht auf einen bestimmten Stichtag, um Euer Projekt zu beginnen; tut es einfach.
  • Die Resultate müssen euch gefallen, da ihr ein 365-Tage-Fotoprojekt für EUCH und nicht für andere macht.
  • Denkt nicht über Motive nach, fotografiert sie einfach.
  • Nehmt euch für jedes Motiv die Zeit, die das Motiv von euch fordert, um ein für euch gutes Resultat zu erzielen.

Vor einem halben Jahr sprachst du von einem Gewinnspiel, kannst du da noch ein paar Infos zu geben?
Na klar :-)
Mit dem Gewinnspiel möchte ich mich bei meinen Lesern für ihre Treue bedanken.
Zu gewinnen gibt es drei Gutscheine zu je 20 Euro, die vom Online-Fotolabor “Whitewall” freundlicherweise zur Verfügung gestellt werden. Das Gewinnspiel startet am 17.09.2014 und läuft bis zum 08.10.2014.
Nach Ablauf der vier Wochen werde ich mit einem Zufallsgenerator aus allen Kommentaren die drei Gewinner ermitteln.

Dazu habe ich auf meinem Blog eine eigene Gewinnspielseite angelegt.

Die einzige Teilnahmebedingung ist: Finde Dein Lieblingsbild in meinem 365-Tage-Fotoprojekt und begründe mit einem Kommentar auf dieser Seite kurz, warum du genau das Bild gut findest.

. . . Schreib doch einen Kommentar :)

Buchstabensalat #952: Fotobegriffe gesucht

RätselAug 29 20140 Comment

Dieses Rätsel wird präsentiert von meinem Vater, der einen ganzen Rätselblog hat.

Da haben wir den Salat! Die Buchstaben der fettgedruckten Wörter bilden, neu gemischt, das fehlende Wort.
  1. Wie OFT hört man den gut gemeinten RAT: O, PAPA, du nervst mit deinem neuen *********** (10).
  2. Das Wochenende war FREI für Entspannung pur: Keiner KAM auf die ALM mit einer ********** (10).
  3. BITTE TUN Sie nicht so, als sei das Foto mit der LERCHE ************** (14).

. . . Schreib doch einen Kommentar :)

Du darfst nicht die Idee lieben – sondern das Tun. Eine Selbstreflexion.

grashuepfer

Wenn man mitten im Shooting den andren Fotografen und das Model allein lässt, um Grashüpfer zu jagen… sollte man vllt lieber Grashüpfer-Fotograf werden? – Foto links von meinem lieben Fotofreund Michael Schuder, rechts das kurz darauf entstandene Foto von mir.

Sean Wes ist ein genialer Typograf und hat einen Podcast. Genialerweise vermailt er die Essenz als Newsletter. Die lese ich immer, weil es viel um Kreativität, Zielsetzung, Geschäftsmodelle und Zufriedenheit geht. In der neuen Folge hat er etwas gesagt, das mir zu denken gibt. Es ging darüber, seine Passion zu finden.

On finding your passion: You can’t just love the idea of this thing, you have to love the act of doing it.

Frei übersetzt: Zum Finden deiner Passion reicht es nicht, die Idee dieser Tätigkeit zu lieben. Du musst das Tun lieben.

Es gibt Momente beim Fotografieren, da tauche ich voll darin ein. Da bin ich nur noch eine Verlängerung meiner Kamera und vergesse Zeit und Raum. Und manchmal ist es nicht so. Dann habe ich Spaß, das ja, aber diese völlige Versunkenheit stellt sich nicht ein. Durch dieses Zitat habe ich mal überlegt, woran das liegen könnte.

Beispiel: Foodfotografie

Bei guten Foodbildern denke ich: “Wow, das will ich auch machen. Und das müsste ich auch hinbekommen.” Doch während ich die Bilder mache, fehlt mir ein wenig die Freude dran. Das Arrangieren der Teller, Messer und Decken ist für mich relativ lästig – entweder mir fehlt das Händchen dafür oder die Übung. Alles andre, die Flohmarktbesuche für neue Teller, das Fotografieren und Bearbeiten der Bilder, macht mir Spaß. Nur das Arrangieren nicht.

Beispiel: Einzelshooting

Ich liebe den Gedanken, geniale Modelshootings zu machen. Wenn ich Kinder, die spielen und mich bestenfalls ignorieren, fotografiere, vergesse ich Raum und Zeit. Bei Modelshootings hab ich zwar Spaß, aber dieses tiefe Gefühl des Eintauchens fehlt meist. Da bin ich zu sehr damit beschäftigt, das Model zu arrangieren, dirigieren und zu wenig damit, einfach nur zu fotografieren. Bei Paaren ist es einfacher, vielleicht, weil sie zusammen eine eingespielte Einheit bilden.

Versteht mich nicht falsch, ich bin beileibe nicht unglücklich dabei. Fotografieren macht mir immer Spaß. Es ist nur nicht ganz so tief, das Gefühl. Offenbar liegt es mir mehr, das Bestehende zu suchen, als etwas zu arrangieren.

Wie geht es euch? Wann taucht ihr ganz in die Fotografie ein und wann nicht?

. . . Schreib doch einen Kommentar :)
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