Fotografieren in Bayreuths Schlössern & Gärten: Das musst du wissen

Mal eben in den Hofgarten, ein kleines Shooting machen? Ein privates Erinnerungsbild aus der Eremitage auf die eigene Website stellen? Wer das tut, riskiert Ärger.

Zuständig ist hier nämlich die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen. Und auf ihrer Website sagen sie klar, was man darf – und was alles nicht.

Schlösser und Gärten im Bayreuther Raum: privates Fotoshooting? Lieber nicht!

Im Bayreuther Raum betreffen die folgenden Regelungen:

  • das alte Schloss,
  • den Hofgarten,
  • das Markgräfliche Opernhaus,
  • die Eremitage inkl. altem Schloss,
  • Schloss und Schlosspark Fantaisie,
  • Sanspareil inklusive des morgenländischen Baus.

Erlaubt ist laut Website:

Für Innen- und Außenaufnahmen der Objekte der Bayerischen Schlösserverwaltung benötigen Sie grundsätzlich eine (kostenpflichtige) Fotogenehmigung.

(…)

Aufnahmen zu privaten Zwecken (Erinnerungsfotos) sind in geringem Umfang (ohne Blitz, Stativ u.Ä.) möglich, sofern keine konservatorischen, markenrechtlichen oder organisatorischen Belange dagegen sprechen. Eine weiterführende Verwertung des Fotomaterials ist ausdrücklich nicht gestattet.

Das heißt im Klartext: keine Shootings, keine Bilder online stellen, schon gar keinen kommerziellen Hintergrund. Für all das braucht es eine Genehmigung. In meinem Fall waren das für ein Shooting 50 Euro und für das Onlinestellen pro Foto dieses genehmigten (und gezahlten) Shootings auf meiner Website 40 Euro. Entschieden wird, so wurde mir erklärt, zumindest für Webseiten je Einzelfall.

Hinzu kommen zwei weitere Regelungen:

Die Veröffentlichung von genehmigungspflichtigen Fotoaufnahmen auf Social Media Plattformen (Facebook etc.) ist generell nicht gestattet.

Der Bayerischen Schlösserverwaltung müssen Belegaufnahmen des entstandenen Fotomaterials zur Verfügung gestellt werden, welche diese für interne Zwecke (z.B. eigene Publikationen) entgeltfrei nutzen kann.

Der Eingang zum Hofgarten. Noch stehe ich auf öffentlichem Grund, darum darf ich dieses Foto zeigen. Ein paar Schritte weiter, und ich dürfte es nicht mehr.

Der Eingang zum Hofgarten. Noch stehe ich auf öffentlichem Grund, darum darf ich dieses Foto zeigen. Ein paar Schritte weiter, und ich dürfte es nicht mehr.

Logisch für Berufsfotografen – echt schade für Hobbyfotografen.

Einerseits kosten die Gärten und Schlösser sicher Unsummen in der Instandhaltung und da würde ich auch überlegen, wie ich das Geld wieder reinbekomme. Andererseits finde ich es sehr schade, dass Hobbyfotografen, die keine Gewinnerzielungsabsicht haben, ebenfalls zur Kasse gebeten werden. Eine Initiative hier in Bayreuth, die einen Fotoband über unsere Stadt herausgeben wollte (zum Selbstkostenpreis, einfach, weil es bisher fehlt), ist daran gescheitert.

Die Pflicht, ein Belegexemplar abzugeben, finde ich nicht mehr zeitgemäß. Welch ein Aufwand, von jedem Model die Genehmigung dazu einzuholen, um nicht gegen Persönlichkeitsrechte zu verstoßen. Die Bilder zu übertragen. Wie die Bilder genutzt werden, ist auch sehr wage. „Interne Zwecke“ und „Publikationen“ (lat. publicus = öffentlich) ist genau das Gegenteil voneinander. Was, wenn ich ein Model fotografiere und dessen Bild landet auf mal auf der Website vom Hofgarten? Das Model wollte aber nie ins Internet? Da sehe ich viel Potenzial für Ärger und Unzufriedenheit. Hier wünsche ich mir eine klare und zeitgemäße Regelung.

Ein verständlicher Hinweis in den Anlagen fehlt komplett.

Wenn ich den Hofgarten betrete, stehe ich vor einem Schild, groß und auffällig, mit einer umfassenden Parkordnung. Darauf steht sinngemäß, dass gewerbliche Aufnahmen genehmigungspflichtig sind. Ich habe es schon oft erlebt, dass Fotografen hier den Umkehrschluss machten und dachten, sie dürften privat die Fotos machen und sie auch online stellen. Denn wer liest schon auf der Website der Schlösserverwaltung nach, wenn es einen vermeintlich klaren Hinweis in der Parkordnung gibt?

Dieser Text ist nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert. Dennoch übernehme ich keine Garantie oder Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit.

Ergänzung 1.11.2015

Heute war ich in der Eremitage. Auf dem Parkplatz-Schild steht konkret, dass es verboten ist,
„10. ohne Erlaubnis zu fotografieren oder filmen, außer für private Zwecke;“

Ergänzung 20.1.2016

Beitrag auf Aktualität geprüft & ergänzt.

Dieser Beitrag hat 11 Kommentare

  1. Ich hatte vor 2-3 Jahren mal wegen eines TfP-Shootings, das in der Eremitage über die Bühne gehen sollte, bei der Schlösserverwaltung wegen der Veröffentlichungsrechte nachgefragt. Antwort war, dass eine Genehmigung nötig ist, die „in der Regel kostenpflichtig erteilt“ wird. Da war das Thema für mich erledigt.

    Seitdem fotografiere ich fröhlich an allen möglichen Orten außerhalb Bayreuths und des Einflussbereichs der bayerischen Schlösserverwaltung, bin zufrieden und muss mich nicht mit Bürokraten herrum schlagen

  2. Ich finde das alles sehr schade. In Bayern gibt es zahlreiche imposante Schlösser die wunderbar als Kulisse für Shootings dienen würden. Diese Bürokratie finde ich sehr überflüssig.

  3. Eine Ähnliche Herausforderung hat man hier in Thüringen mit dem Fotografieren, auch für private Zwecke. Das man für kommerzielle Zwecke ein Gebühr verlangt, lasse ich mir noch gefallen. Für private Zwecke finde ich es allerdings eine unverschämtheit. Man bedenke, solche Anlagen werden nicht selten durch öffentliche Gelder gefördert oder auch via Spenden finanziert. Genau dass sollte man auch mal hinterfragen. Ob da eine kleine Gegenleistung für die Öffentlichkeit, die dies ja schließlich mit finanziert, in form von privaten Fotoaufnahmen zulässig sein sollten. Ich würde sogar soweit gehen, wer dies nicht zulässt, der bekommt auch keine öffentlichen Fördermittel mehr. Denn es schaut ja im Grund so aus: Der Steuerzahler und die Spender dürfen zahlen, ablichten dürfen Sie ihr bezahltes Gut dann aber nicht.

  4. Hallo und guten Abend. Auf Anraten von Elisabeth v. Poelnitz hier mein Statement: Hallo und danke für den Link. Ich möchte gerne dazu eine kleine Geschichte erzählen, nämlich die aus der Sicht eines Berufsfotografen, der in allen gefühlten Parks in Nordbayern mehr als 35 Jahren Hochzeiten fotografierte. Der Ursprung des Verbotes war Folgendes: In den Liegenschaften der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung wurden Werbefotos erstellt, Meines Wissen entstand dies aus einer Werbekampagne einer japanischen Autofirma. Diese Firma hatte einfach u.a. ohne Nachfrage ihre Autos vor Schloss Nymphenburg gestellt, in den Englischen Garten und so weiter… Daraus resultierte ein handfester Rechtsstreit mit dem Ergebnis, dass keine Firma; weder Inlands oder Auslandsfirma, jemals Werbung vor bayerischer Kulisse gestalten dürfe. Dieser richterliche Spruch dauerte natürlich nicht lange und wurde von BMW gekippt – mit Automiblfotos vor heimischer Kulisse-, als sich dann wiederum die Japaner beschwerten… usw. Als ich mit meinen erst 25 Jahren ein Fotostudio eröffnen durfte „Foto Hirschmann“ – jetzt „Heimathafen Bayreuth“ wurde ich in der Eremitage Bayreuth noch mit Schäferhunden verfolgt. Mein damaliger Chef, Fritz Hirschmann seligen Angedenkens, ging gegen diese Behördenwillkür vor. Ebenso ein Bräutigam, der dem „Schäferhundeführer“ während meiner zu erstellenden Hochzeitsfotos erklärte, dass er Jurist sei und solche Auflagen und Angriffe nicht hinnehmen werde und schon gar nicht bei seiner eigenen Hochzeit. Wie das eben so dauert – ich glaube es waren ca. 2 Jahre vergangen, wurde speziell für die Eremitage festgelegt, dass entweder ein jährlicher Pauschalbetrag in Höhe von ca. 700,00 DM (damals) gezahlt werden müsste oder andernfalls 2-3 Monate vor! dem geplanten Fotoshooting dieses eben angemeldet werden müsste und pro Shooting ein einmaliger Betrag von 50,00 DM (damals) an ein bestimmtes Konto eingezahlt werden muss. Hier explodierte mein damaliger Chef vollkommen und hat meines Wissens (seinen juristischen Weg dahin weiss ich nicht) durchgesetzt, dass alle Amateurfotografen und Berufsfotografen freien Zugang zu allen öffentlichen Parks und Gärten haben sollten. Er behielt Recht. Ich wurde seit dieser Zeit niemals mehr von Aufsichtsbeamten mit auf Mann gedrillten Hunden bekläfft. Ich glaube mich erinnern zu können, dass erst durch Herrn Michels, unter dessen Leitung die oberfränkische Schlösser- und Seeverwaltung lag, diesen Unsinn bereinigt hat. Danke dafür, Herr Michels.
    Mir ist natürlich klar, dass Berufsfotografen immer eine Genehmigung benötigen, bevor sie loslegen – und das aus gutem Grund. Viele Archivare und Kastellans haben mir das nahegebracht.
    Aber was ich jetzt lesen musste, ging mir eindeutig zu weit. Werden alle paar Jahre gültige Gesetze umgeschrieben? Wer bezahlt denn diese öffentlichen Parks? Kann es sein, dass es der Steuerzahler ist? Ach ja…

    Die meisten Fotos auf meinem Link sind von mir.

    http://www.schloesser.bayern.de/deutsch/schloss/uebers/bayreuth.htm

    Auftragsarbeiten. Mit Stativ. Mit Blitz.

    Um es mit einer lieben Freundin hier auf FB zu sagen: „Mir wächst ein rosa Geweih“.

    Mann Mann Mann !!!

  5. Ich bin schockiert: Wem gehören denn diese Anlagen – letztlich dem Volk. So ein Verbot ist ganz in der Manier der Aristokratie. Man scheint vergessen zu haben, wer wem dient.

  6. Leider leider ist es für uns Berufsfotografen echt doof mit diesen ganzen wirren Regelungen! Es wäre sehr lobenswert, wenn man dort ganz ohne Bedenken mit seinen Brautpaaren zum fotografieren hingehen könnte; gerade, wenn die Brautpaare diese Lokations als Feierlokation haben!
    Die Bilder dann zur Verfügung zu stellen dürfte äußerst schwierig sein, da nicht jeder seine Fotos öffentlich publiziert sehen will!!!

  7. Jedes veröffentliche Bild ist Werbung für ein Schloß oder einen Park. Und jeder Kontrolleur weniger senkt die Personalkosten. ;-)

  8. Ich formuliere mal noch etwas ausführlicher:Mal ausgehend davon, dass es der Schlösserverwaltung letztendlich immer um Einnahmen für den Erhalt der Objekte geht, braucht es also gute Argumente dafür, daß veröffentlichte Bilder eben genau für solche Einnahmen sorgen, auch wenn das nur unmittelbar geschieht. Also nicht durch Lizenzen für die Fotos oder durch Postkartenverkauf etc, sondern durch gesteigertes Interesse der Bevölkerung an den Objekten, was dann – u. U. durch positive Blogeinträge unterstützt – zu einer Steigerung der Museums- und Ausstellungsbesuche (Stichwort Eintrittsgelder) führen kann. Anders ausgedrückt: wenn niemand weiß, wie romantisch die Eremitage sein kann, dann geht auch niemand hin und besucht auch nicht das Museum.

  9. Kann das Ganze auch nicht nachvollziehen.
    Diese Anlagen werden ja von unseren Steuergeldern finanziert.
    Vielleicht sollte man mal darüber nachdenken.
    Und das schöne Bilder von solchen Parks eine klasse Werbung
    für die Stadt ist, sollte auch jedem klar sein.
    Wir wollen uns ja auch über die Landesgartenschau bekannt
    machen und Werbung für unsere Stadt betreiben. Da sind Bilder
    von unseren schönen Anlagen eine sehr gute Ergänzung.

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