Über wen schreibe ich? Und was?

Dieser Beitrag ist Teil der Serie Ein Magazin entsteht

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Mit welchem Recht begann ich mit der Gestaltung eines Magazins über Menschen mit Behinderung? Traf Entscheidungen, die ihre Außenwahrnehmung beeinflussen würden? Wie konnte ich über Menschen schreiben, in die ich mich nur bedingt hineinversetzen konnte? Am Anfang des Projekts kam ich mir gelegentlich anmaßend vor, auch wenn es wirklich half, dass wir zwei Menschen mit Behinderung im Redaktionsteam hatten, die mir immer klar ihre Meinung sagten.

Was also tun? Ich recherchierte. Ausgiebig. Ich las viele Artikel über und Blogs von Menschen mit Behinderung, sah Gebärden-Musikvideos. Las Magazine, verfasst von Menschen mit Behinderung. Fand leidmedien.de, eine Plattform, die sich an Medienschaffende richtet und konkret auf das Thema Sprache eingeht. Und bekam von mehreren Medienschaffenden sehr hilfreiches Feedback auf meine Fragen.

Festlegung des Wordings

Sprache ist mächtig. Sie kann werten und Meinungen bilden, Bewusstsein schaffen und Denkmuster aufrütteln. Darum ist gerade für dieses Magazin ein fest definiertes Wording so wichtig. (Corporate) Wording steht in der Öffentlichkeitsarbeit für das Festlegen von Ausdrücken und einem Sprachstil, um ein einheitliches Auftreten nach außen und die Kommunikation der gewünschten Inhalte und Gefühle zu gewährleisten.

Häufig wird in Texten über Menschen mit Behinderung mit Klischees gearbeitet: Der Mann, an den Rollstuhl gefesselt, meistert sein Leben trotz seiner Behinderung heldenhaft. Ihr Unfall hat alle Hoffnungen der jungen Frau auf ein normales Leben für immer zerstört. Nie wieder wird sie den Sonnenaufgang sehen können. Dabei sehen sich Menschen mit Behinderung meistens weder als Opfer noch als Helden. Sie leben ihr Leben nicht trotz ihrer Behinderung, sondern mit ihr. Aus dieser Einstellung heraus ergab sich eine konkrete Liste an zu verwendeten Formulierungen, die Basis für die Texte(r) war.

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Festlegung der Inhalte

In einem ersten Brainstorming überlegten wir im Redaktionsteam, welche Themen wir auswählen könnten. Viele vergangene Veranstaltungen wurden genannt, Erlebnisse, Interviews und Homestories vorgeschlagen. Wir prüften jedes Thema auf seinen Nachrichten- und Unterhaltungswert – und zwar für unsere Leser, die wir in Form der Personas definiert hatten. So konnten wir sichergehen, dass wir nichts erzählen, nur weil es passiert ist oder uns gerade einfällt.

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Wie man an den Buchstaben auf den Post-its sieht, haben wir den Themen gleich einen Zuständigen zugeteilt und vorläufig festgelegt, wie umfangreich der Artikel etwa sein soll (Seitenzahl).

Struktur der Inhalte

Viel später, als alle Artikel geschrieben waren, stellte sich die Frage, wie man sie strukturiert. Sollte es mehrere Kategorien geben? Weil das ganze theoretische Gegrübel nichts brachte, druckte ich die Themen aus und sortierte sie.

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Eine Sortierung nach Artikelgattung kam für mich nicht in Frage, weil dann z.B. alle Interviews direkt hintereinander stehen würden und das ermüdend und wenig abwechslungsreich wirken könnte. Ich testete verschiedene Varianten und entschied mich für vier Kategorien.

  • Alltag (Homestorys, …)
  • Erlebnisse (Theatergruppe, Sportgruppe, Besonderheiten im Alltag)
  • Highlights (Reisen, Mittelaltermahl)
  • Gedanken (Interviews, Gedanken zur Inklusion)

Mir ist bewusst, dass die ersten drei Kategorien durchaus Schnittmengen haben. Dennoch entschied ich mich, sie nicht zu einer Kategorie zu verschmelzen. Ich bevorzuge mehrere uberschaubare Rubriken, besonders, wenn die Alternative nur zwei Kategorien darstellt, von denen eine ca. 75 % der Inhalte umfassen wurde. Tatsächlich wurde ich auch in meiner Bachelorverteidigung nach dem Grund dieser Sortierung gefragt. Doch den konnte ich ja gut erklären :)

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