Ein Magazin entsteht: Strategische Überlegungen

Dieser Beitrag ist Teil der Serie Ein Magazin entsteht

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Wie entsteht eigentlich ein Magazin? Eines, das dann tatsächlich gedruckt wird? Vor dieser Frage stand ich am Anfang meiner Bachelorarbeit. Um euch einige Einblicke in den Prozess zu geben, startet heute diese kleine Beitragsserie.

Am Anfang stehen keine kreativen Höhenflüge, sondern ganz sachliche Analysen. Immerhin muss der Rahmen, in dem das Magazin veröffentlicht wird, abgesteckt werden. Da es im Internet relativ wenig zum Thema Magazinentwicklung gibt (oder es ist anders verschlagwortet, als ich suche), möchte ich hier konkret auf die strategischen Planungen eingehen. Wenn das nicht dein Ding ist: In einigen Tagen kommt der nächste Post :)

Zeitplan

Wie viele Arbeitstage liegen zwischen Start und Drucktermin? Nachdem ich mit dem Kalender in der Hand diese Zahl kannte, zog ich alle (Halb-)Tage ab, von denen ich wusste, dass ich an ihnen nicht arbeiten würde. Anstehende Kundenaufträge, Familienfeiern, Zahnarzt, … Übrig blieben 64 Arbeitstage bis zum Druck und noch einmal ein Monat bis zur Präsentation.

Im nächsten Schritt definierte ich die Haupt-Arbeitsschritte (Analyse, Gestaltung, Dokumentation) und teilte sie in Unteraufgaben. Die 64 Arbeitstage teilte ich nun auf die Unteraufgaben auf und erzeugte so eine Gewichtung der Arbeitsschritte. Tatsächlich kam es am Ende doch etwas anders, aber grob gesehen hat diese Aufteilung funktioniert.

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Stakeholder

Um eine Übersicht aller am Projekt beteiligten Personen zu erhalten, erstellt man in Servicedesign-Projekten oft eine Stakeholder-Map. Diese Methodik erschien mir auch für dieses Projekt geeignet, da eine Vielzahl an Menschen direkt oder indirekt mit diesem Projekt zusammenhängt.

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Wie sehr beeinflussen die definierten Stakeholder den Projekterfolg – und wie hoch ist ihr Konfliktpotenzial? Dies untersuchte ich, indem jedem Beteiligten einen hohen oder niedrigen Einfluss sowie ein hohes oder niedriges Konfliktpotenzial zuordnet. Dieses Konfliktpotenzial war für die später durchgeführte Risikoanalyse wichtig.

Personas

Personas sind „Personenprofile, die stellvertretend für die Mitglieder einer (realen) Kundengruppe stehen“ (Quelle). Nach meiner Erfahrung vereinfachen Personas jeden Entscheidungsprozess während eines Designprojektes enorm. Durch den Perspektivenwechsel („Was würde Erwin dazu sagen?“) fällt es deutlich leichter, verschiedene Optionen abzuwägen und die für die Zielgruppe richtige zu wählen.

Mit dem Redaktionsteam definierte ich fünf Personas, die mit ihren verschiedenen Einstellungen und Lebensgeschichten stellvertretend für die Leser des Magazins stehen. Diese Personas sind tendenziell konservativ eingestellt, was nach meiner Erfahrung und der Erfahrung der Redaktionsmitglieder – dessen Mitglieder alle seit Jahrzehnten in Bayreuth leben – den Bayreuthern gerecht wird.

Der Fokus der Personas liegt vor allem auf ihren Erfahrungen mit und Einstellungen zu Menschen mit Behinderung. Auch umfassen sie eine kurze User Journey (auch Customer
Journey genannt), um aufzuzeigen, auf welchem Weg die Personas mit dem Magazin in Berührung kommen. Abgerundet werden sie mit einer Zielformulierung, die besagt, was das Magazin bei ihnen auslösen soll.

Eine der fünf Personas ist Richard:

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Konkurrenzanalyse

Die Konkurrenzanalyse dürfte soweit bekannt sein. Zwar hatte ich keine direkte Konkurrenz, aber sehr wohl indirekte, denn in Bayreuth liegen drei kostenlose Stadtmagazine aus, die mit verschiedenen Schwerpunkten an vielen öffentlichen Stellen ausliegen. Mit ihnen konkurriert mein Magazin um die Aufmerksamkeit und Zeit der Leser. Die Analyse dieser Magazine haben einige Designentscheidungen beeinflusst, weil es mir wichtig war, dass auch optisch deutlich wird, dass es in meinem Magazin um andere Inhalte geht. Hier ein Auszug meiner Konkurrenzanalyse.

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Risikoanalyse

Anschließend fragte ich mich, welche konkreten Risiken für das Magazinprojekt bestünden.  Ich definierte mögliche Risiken, schätzte ihre Tragweite und Eintrittswahrscheinlichkeit ein und entwickelte präventive Maßnahmen sowie Handlungspläne für den tatsächlichen Eintritt des jeweiligen Risikos. Zum Glück habe ich dann keine dieser Maßnahmen anwenden müssen.

Fazit

Die Analysen waren ganz schön viel Arbeit – und das, bevor überhaupt ein Buchstabe getippt, ein Foto gemacht oder eine Gestaltungsentscheidung getroffen wurde. Aber es hat sich gelohnt! Dem ganzen Redaktionsteam, mich eingeschlossen, haben die Personas bei vielen strategischen Entscheidungen sehr geholfen. Und auch meine Gestaltung des Magazins entstammte nicht meinem Bauchgefühl und Geschmack, sondern auf konkreten Angaben zu Zielgruppen und Konkurrenz. Auch wenn vermutlich viele Designer jetzt nicht begeistert sind: Für große Projekte lohnt sich eine fundierte Analyse!

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Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Wahnsinn, welchen Aufwand du schon am Anfang betrieben hast. Ich habe zwar nicht vor, in Magazin zu schreiben, aber deine Schilderungen sind sehr interessant. Ich bin gespannt auf die weiteren Artikel.

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