Buchrezension: “Foodfotografie” von Peter Rees

51n5qzkbmrl. sl500 aa300  Buchrezension: Foodfotografie von Peter ReesSemesterferien = Lesezeit! Heute geht es um ein Buch zur Foodfotografie.

Datenblatt:

Titel: Foodfotografie
Autor: Peter Rees
Verlag: mitp Edition Fotoprofi
Preis: 34,95

Der Aufbau

Das Buch ist sehr gut strukturiert. Und zwar im Kochbuchcharakter. Das heißt: “Nach [der] Einleitung folgt die Warenkunde mit Informationen zum benötigten Equipment, [...] Danach folgt die Küchenpraxis mit den Kapiteln über Gestaltungslehre und Foodstyling. Den Abschluss bildet schließlich der Rezeptteil” mit vielen praktischen Anleitungen und Übungen (Zitat S. 10).

Vorweg eine persönliche Anmerkung – über Maschinenöl und Lebensmittelfarbe

Es gibt in der Foodfotografie ja zwei Extreme: Fotografen, die genau das abbilden, was sie sehen (die Auswahl der schönsten Tomate ist die stärkste Beeinflussung). Und Fotografen, die ein schmackhaftes Bild machen (egal, ob man statt Sauce Maschinenöl nimmt, solange es gut aussieht). Ich persönlich gehöre klar zur ersten Gruppe. Einen Burger mit Zahnstochern zu fixieren geht noch, aber sowie etwas dazu kommt, das sich nicht normalerweise in meiner Küche befindet, mag ich es nicht mehr. Es ist mir nicht echt genug.

In diesem Buch wird zwar kein Maschinenöl verwendet, wohl aber Lebensmittelfarbe. Ist nicht mein Ding. Es ist mir wichtig, das an dieser Stelle kurz zu betonen. Aber dass der Autor hier eine andere Meinung vertritt und Lebensmittelfarbe nutzt (zugegeben: sieht gut aus), soll meine Rezension nicht beeinflussen.

Der technische Aspekt

Am Anfang des Buches geht es um Equipment. Welche Kamera, welches Licht gibt es. Welche Vor- und Nachteile hat welches System? Sehr gut finde ich, dass es keine Einkaufsliste gibt, sondern nur alle Möglichkeiten vorgestellt werden.

Man merkt, dass sich dieses Buch weniger an den Hobby- und mehr an den professionellen Fotografen richtet. Denn eine DSLR (Digitale Spiegelreflexkamera) wird als “Kleiner kompakter Kameratyp” (S. 19) und somit als die kleine Schwester der Mittelformatkamera vorgestellt. Über kleine oder Bridge-Kameras wird gar nicht gesprochen.

Entsprechend hochkarätig sind die Objektive, die vorgestellt werden. Von Blitzanlagen habe ich nicht genug Ahnung, um diese einzuschätzen, aber es sieht nicht grad nach selbstgebastelt aus.

Wer also nur gelegentlich sein Mittagessen dokumentieren möchte, sollte dieses Kapitel überblättern. Oder auf meine nächste Rezension warten, da geht es nämlich genau um das: Foodfotografie mit günstigem Equipment, ohne Blitzanlage und mit Stypopor als Reflektor.

Wer hingegen mit Foodfotografie Geld machen möchte und entsprechend bereit ist zu investieren, der findet hier einen umfassenden Wissensschatz samt Beispielbilder, wie bei welcher Leuchte der Schatten fällt.

Die Gestaltung

Das Kapitel rund um Gestaltung deckt alle klassischen Tipps ab. Als klassisch bezeichne ich die, die mir im Rahmen der (Food-)Fotografie immer wieder über den Weg laufen, einfach weil sie so wichtig sind und die Wirkung des Bildes stark beeinflussen. Und wer jetzt denkt “1000 Mal gehört”, dem sei versichert: Es ist alles andere als langweilig. Vielmehr regt es, auch dank der Beispielbilder, dazu an, über die eigene Bildgestaltung nachzudenken und sie zu hinterfragen.

Hinzu kommt noch ein Ausflug in die Wirkung von Farben. Denn wenn ich Frische vermitteln möchte, nutze ich eher cyanfarbene Untergründe. Es macht Sinn, das bewusst zu machen und nicht nur auf die eigene Intuition zu hoffen.

Foodstyling

In diesem Kapitel geht es ans Eingemachte! Oder besser: ans frisch gekochte! Wie verhindere ich, dass Gelee sich auflöst? Dass das Tomatengrün welk wird, während ich vorbereite? Was mache ich, wenn die gefüllten Crêpe nur ein trauriger Haufen sind? 10 Seiten lang zeigt der Autor viele viele Tricks auf, um das Essen appetitlicher und frischer wirken zu lassen.

Die praktischen Übungen

Eigentlich könnte das Buch jetzt zu Ende sein. Ist es aber nicht, denn jetzt geht’s in die Praxis! Es folgen 43 (!) Fotoaufgaben. Abgesehen von den Aufwärmübungen und einigen Getränken sind es alles Koch- und Backrezepte. Komplett für den Küchenchef und den Fotografen aufbereitet:

  • Zutatenliste für das Rezept und das Fotografieren
  • Zubereitung von Speise und Foto
  • Wichtige Foodstyling-Tipps
  • Skizzen zum Aufbau von der Seite und von oben
  • ein Beispielbild

Dieser Part hat mich komplett begeistert. Mit wie viel Energie das theoretische Wissen in direkt nachvollziehbare Rezepte und Anleitungen gegossen wird. Die man nachmachen kann und so lernt, als würde der Autor neben einem stehen. Schade, dass nicht dabei steht, wie lange man etwa für die Zubereitung braucht. Das ist bei mir immer ein Faktor, der wichtig ist bei der Entscheidung für oder gegen ein Rezept.

Ein kleiner Wermutstropfen dieses Kapitels ist der Umstand, dass relativ viel Beleuchtungstechnik vorausgesetzt wird. Die Aufbauten könnte ich so nie realisieren, weil nicht bezahlen. Mit etwas Fantasie kann man da aber sicher einiges ausgleichen – und sonst wird das Bild halt bissl anders, mei…

Hier übrigens ein paar der Rezepte, nur damit ihr einen Eindruck bekommt: Kreolische Hähnchenkeulen, Fischstäbchen, orientalische Thunfischspieße, Kichererbsenpürre oder Schokoladenmousse. 3x dürft ihr raten, womit ich am liebsten sofort anfangen würde (das sieht aber auch lecker aus!).

Fazit

Ein sehr schönes Buch mit einem toll aufbereiteten Praxisteil. Empfehlenswert für den fortgeschrittenen Fotografen, der entweder die Ausrüstung/Beleuchtung hat oder keine Furcht davor, mit Licht zu experimentieren.

Hinweis: Dieses Buch habe ich vom Verlag zur Rezension erhalten. Der Deal ist: Buch gegen ehrliche Rezension. Dieser Beitrag entspricht 100% meiner Überzeugung – wäre das Buch schlecht, hätte ich das auch geschrieben. Wär ja auch schön blöd von mir, meinen guten Ruf für ein Gratis-Buch aufs Spiel zu setzen icon wink Buchrezension: Foodfotografie von Peter Rees
 Buchrezension: Foodfotografie von Peter Rees

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